Jo-Jo-Spieler in Berlin : Mein Jo-Jo - mein Leben

Burkhardt Röper

Einmal um die Welt - das bewältigen Jojo-Spieler in zwei Sekunden. Natürlich nur mit ihrem Spielgerät. Einfach das Jojo auswerfen und kreisen lassen. Für die Spieler bedeutet das "Round the World". Was nach einem wahren Kunststück klingt, "ist der einfachste aller Tricks", weiß Dave Geigle aus Berlin. Für seinen dritten Platz bei den "German YoYo Masters 2001" in Münster am vergangenen Wochenende musste der 14-jährige Spieler ganz andere Würfe vorführen. Zum Beispiel "die Kuh melken" (milk the cow): Dabei gilt es, zwei Jojos gleichzeitig Richtung Boden zu werfen und immer wieder mit den Händen nach unten zu schlagen, wenn die drehenden Kreisel zurückschleudern.

Jojo-Spieler beherrschen Hunderte solcher Drehungen. Die einfachen lernen sie in wenigen Stunden. Für einen komplizierten "Mondtreffer" (shoot the moon) muss auch Geigle ordentlich üben - eineinhalb Stunden täglich. Mittlerweile ist Jojospielen sein Leben. "Ohne geht zurzeit nichts mehr", gibt er offen zu. Selbst die Schulpausen nutzt der Gymnasiast, um sein Können zu perfektionieren. Denn Dave Geigle hat einen Traum: Die Weltmeisterschaft. Nächstes Jahr im August treffen sich die Besten der Besten in Orlando / USA. "Vielleicht schaffe ich es ja hinzufliegen", hofft der Jojo-Begeisterte. Das größte Problem sind die Kosten. Sponsoren gibt es für diese Randsportart nicht.

In Deutschland trainieren nur etwa 50 Jojo-Begeisterte täglich mit ihren rotierenden Spielgeräten. Der Erfolgreichste von ihnen heißt Denis Schleußner und lebt wie Geigle in Berlin. Auf der Weltrangliste belegt Schleußner den dritten Platz. Wäre er dieses Jahr bei den German Masters angetreten, "er hätte sicherlich gewonnen", meint Geigle. Es wäre die vierte deutsche Meisterschaft in Folge für Schleußner gewesen. Um den Nachwuchs eine Chance zu geben, verzichtete der Jojo-Profi auf den Start. Stattdessen begnügte sich der Oldie - mit 23 Jahren gehört er bereits zu den Älteren in der Szene - mit einem Platz unter den Juroren.

Von dort aus verhalf der Jojo-Sportler einem weiteren Berliner zu einer Auszeichnung: Christian Schulz schaffte mit seinen Tricks Platz fünf, und war damit ziemlich unzufrieden. Noch letztes Jahr belegte er Rang drei. Die etwa 400 Tricks, die der 17-jährige Schüler beherrscht, reichten nicht aus. Da hilft nur weiter trainieren. Immer wieder das Jojo hoch werfen und zurück holen - möglichst effektvoll. Und obwohl Christian Schulz das Gerät ziemlich schnell durch die Luft wirbelt, blieb seine Zimmereinrichtung bisher unversehrt. Völlig unfallfrei verliefen die Übungsstunden aber nicht. "Einmal habe ich mir das Jojo mit voller Wucht zwischen die Beine geworfen. Das tat ziemlich weh. "

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