Berlin : Job gesucht – und Geld verloren

Zweieinhalb Jahre Haft für einen 28-Jährigen, der Arbeitslose betrogen hat

Kerstin Gehrke

Mitarbeiter für einen Begleitservice gesucht, hieß es in dem Inserat. Nichts Erotisches wurde verlangt. Angeblich ging es um Theater-, Kino- oder Restaurantbesuche mit Geschäftsleuten oder Touristen. Rund 40 Männer und Frauen saßen schließlich dem redegewandten Falk L.-D. gegenüber. Er versprach den Jobsuchenden Einkünfte in Höhe von bis zu 2500 Euro im Monat. Sie akzeptierten auch Kautionen und „Sicherheitsleistungen“, die er von ihnen verlangte. Am Ende war alles Betrug.

Für den 28-jährigen L.-D. hatte der Schwindel gestern ein Nachspiel vor dem Amtsgericht Tiergarten. „Keine große Sache“, meinte der schlanke Mann mit schwarzen Haaren vor Beginn der Verhandlung. Er hat langjährige Erfahrungen mit der Justiz. Sein Strafregister weist bereits 14 Eintragungen auf. In der Mehrzahl waren es Vermögensdelikte, die ihn auf die Anklagebank brachten. Als der gebürtige Hesse in Berlin für einen angeblichen Begleitservice warb, stand er unter Bewährung.

Die Jobsuchenden hatte L.-D. stets in Restaurants am Kurfürstendamm bestellt. Nach kurzem Gespräch legte er ihnen Arbeitsverträge vor. Die meisten Interessenten gingen auf eine Teilzeitbeschäftigung ein, die für 40 Stunden im Monat 400 Euro bringen sollte, andere hofften als eingestellte „Dienstleister“ auf 1200 oder gar 2500 Euro. Alle mussten jedoch erst einmal in die eigene Tasche greifen. Falk L.-D. verlangte eine „Kaution“ für Mobiltelefone, mit denen die Begleiter ausgerüstet werden sollten, oder für Fotos, die angeblich anzufertigen waren. In einigen Fällen verlangte er auch eine „Sicherheitsleistung“ für eine Anstellung.

Die Kandidaten zahlten zwischen 50 und 975 Euro an den Angeklagten. Aufträge aber gab es nicht. Der Betrüger dagegen hatte sich zwischen Oktober und Dezember 2004 insgesamt mehr als 10 000 Euro zur Finanzierung seines Lebensunterhalts ergaunert. Im Prozess legte er über seinen Anwalt ein pauschales Geständnis ab. Falk L.-D. arbeite jetzt in einem Callcenter und wollte rückhaltlos reinen Tisch machen.

Das Geständnis ersparte die Vernehmung zahlreicher Zeugen und wurde vom Gericht strafmildernd gewertet. Doch es seien „recht heftige“ Taten gewesen, sagte die Vorsitzende Richterin. Falk L.-D. habe Jobsuchenden, die nach jedem Strohhalm greifen, das Geld aus der Tasche gezogen. Gegen den Betrüger erging eine Gefängnisstrafe von zwei Jahren und sechs Monaten.

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