• JÖRG FAUSER: „Wenn Literatur nicht bei denen bleibt, die unten sind, kann sie gleich als Partyservice anfangen“

JÖRG FAUSER : „Wenn Literatur nicht bei denen bleibt, die unten sind, kann sie gleich als Partyservice anfangen“

Jörg Fauser wird 1944 im hessischen Bad Schwalbach geboren. Vor 25 Jahren, am 17. Juli 1987, stirbt er, als er nach einer Geburtstagsfeier auf die

Münchener Autobahn gerät und von

einem Lkw überfahren wird. Er wird

43 Jahre alt. In seiner Todesnacht ist

er betrunken, 2,6 Promille.

Fauser ist Journalist und Schriftsteller. Für das Berliner Stadtmagazin „Tip“ arbeitet er von 1980 bis 1984 als Kolumnist und Redakteur. Er schreibt für den „Spiegel“, interviewt Charles Bukowski für den „Playboy“, berichtet für den „Stern“ von einer Asientournee des Sängers Achim Reichel. Seine Hörfunkfeatures laufen im WDR, im hessischen und im bayerischen Rundfunk. „Ich bin Geschäftsmann“, sagt er einmal in einem Interview. „Ich vertreibe Produkte, die ich herstelle, und das ist ein Geschäft.“

Als Schriftsteller verfasst er Gedichte, Erzählungen und Romane. Fausers Stil ist beeinflusst von amerikanischen Autoren wie Hemingway, Charles Bukowski und Raymond Chandler. Er übersetzt eine Biografie von James Dean und die Autobiografie von Joan Baez aus dem Englischen und schreibt anschließend die Marlon-Brando-Biografie „Der versilberte Rebell“, die 1978 erscheint.

Durch den 1979 veröffentlichten Gedichtband „Trotzki, Goethe und das Glück“ wird Achim Reichel auf Fauser aufmerksam. Dieser arbeitet anschließend als Songtexter für den Musiker. Der literarische Durchbruch gelingt Fauser 1981 mit dem Roman „Der Schneemann“, vier Jahre später erscheint „Das Schlangenmaul“. 1984 wird „Der Schneemann“ mit Marius Müller-Westernhagen in der Hauptrolle verfilmt.

Fauser ist vierzig Jahre alt, als sein autobiografischer Roman „Rohstoff“ erscheint. Darin berichtet er vom Opiumrausch in Istanbul, wo er 1966 ein Jahr im Stadtteil Tophane unter türkischen Junkies lebt. Er erzählt vom 68er-Aufbruch in Berliner Kommunen und wechselnden, schlecht bezahlten Aushilfsjobs in Frankfurt.

Fauser versteht sich als Subkultur-Autor. Er ist stolz darauf, keine Stipendien oder andere staatliche Unterstützungen zu bekommen. „Wenn Literatur nicht bei denen bleibt, die unten sind, kann sie gleich als Partyservice anfangen“, lautet ein vielzitierter Satz von ihm. Dass er von der etablierten Literaturkritik verrissen wird, bestärkt Fauser nur. Im gestreiften Hemd tritt er 1984 beim Bachmann-Wettbewerb im österreichischen Klagenfurt auf. „Er passt nicht hierher“, ätzt Juror Marcel Reich-Ranicki nach Fausers Vortrag.

Fausers Werke sind in einer neunbändigen Edition im Berliner Alexander Verlag erschienen. Der veröffentlicht anlässlich des 25. Todestages „Rohstoff“, „Der Schneemann“, „Das Schlangenmaul“ und „Die Tournee“ als eBook.

Das Lichtblick-Kino (Kastanienallee 77, Prenzlauer Berg) zeigt noch bis Mittwoch täglich Christoph Rüters 45-minütigen Dokumentarfilm „Rohstoff – Der Schriftsteller Jörg Fauser“ sowie Hans-Christof Stenzels USA-Reisefilm „C’est la vie Rose“ (mit John Cage), für den Fauser die Dialoge schrieb.

Am Dienstag, den 17. Juli, präsentiert Christoph Rüter in einem Special ein längeres Interview mit Fauser und zeigt eine Langfassung seiner Dokumentation.

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