Joggen im Wedding : "Ey", sagt der Typ...

Eine Joggingrunde im Wedding, an der Panke entlang, und was man dabei über sein eigenes Erscheinungsbild lernen kann.

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Joggen im Wedding: Das Outfit stimmt. Oder?
Joggen im Wedding: Das Outfit stimmt. Oder?Foto: Melanie Berger

Joggen gehen im Wedding. Ich bin gerade erst hergezogen. Neubürgerin. Die Strecke geht die Panke hoch, Richtung Bürgerpark. Nicht länger als 30 Minuten. Gute Länge fürs erste. Also, Schuhe an, Musik an, los.

Das große, rote Hoftor knarrt. Blauer Himmel. Angenehme Wärme. Ein bisschen Wind. Perfektes Wetter. Buzzcocks im Ohr: "Ever fallen in love with someone you shouldn’t have fallen in love with?"

Die Uferstraße entlang, vorbei am Café Dujardin, mit dem guten Rotwein, Richtung Uferhallen. Fahrradfahrer weichen aus, ein Hund läuft mit, nur kurz, dann ruft ihn das Herrchen. An manchen Stellen blinzelt die Sonne durch die Blätter der Bäume, die die Straße säumen.

Vorbei an den hippen Hallen, entlang der ruhigen Panke. Dreck unter den Füßen. Weddinghimmel über dem Kopf. Immer zu auf die verstopfte Badstraße. Die Ampel wird grün, sie ist noch zu weit weg. Sie wird wieder rot. Also warten.

Ich stütze mich am Ampelpfeiler ab. Das Warten nervt. Autos, Abgase, kein Schatten. Neben mir, auf der anderen Seite des Pfeilers steht ein junger Mann. Weißes Polohemd mit kleinem, grünem Krokodil. Schwarze Hose, kurze dunkle Haare, die Spitzen sind mit Gel aufgestellt. Die Augen hinter einer dunklen Sonnenbrille. Er telefoniert mit einem dieser alten Klapphandys, in einer Sprache, die ich nicht kenne.

Die Buzzcocks haben fertig gesungen. Ein paar Sekunden Stille in den Ohren, bis der nächste Song losgeht. Der Typ mit dem Telefon dreht den Kopf langsam zu mir. Er senkt leicht den Kopf, wirft einen skeptischen Blick über den Rand seiner Sonnenbrille. Nimmt dann das Handy vom Ohr, legt es an seine Schulter.

„Ey“, sagt er, bellt es mir richtig entgegen, zieht dabei die Augenbrauen zusammen und mustert mich von oben bis unten. Bohrender Blick. Kurze Pause. „Ey“, sagt er dann noch mal, „du bist nicht geil.“

Er wartet kurz ab, vielleicht darauf, ob was zurückkommt, dann guckt er wieder nach vorne zur Straße, zur roten Ampel, nimmt in aller Ruhe das Handy von der Schulter und telefoniert weiter.

Es wird grün.

Mehr von der Autorin: Melanie Berger über die Adidas Football Base im Wedding.

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