• Joint Venture mit E-Trade, dem zweitgrößten Online-Broker der USA, unter Dach und Fach

Berlin : Joint Venture mit E-Trade, dem zweitgrößten Online-Broker der USA, unter Dach und Fach

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Der stark auf Wachstum ausgerichtete Finanzdienstleister Berliner Effektengesellschaft baut seine Position konsequent aus. Mit einem weiteren Engagement wollen die Vorstände Holger Timm und Guido Sandler die Palette von Bank- und Wertpapiergeschäften rund um die Uhr an den internationalen Märkten jetzt erneut erweitern. In zwei bis drei Jahren sollen bereits "mehrere 100 000 Kunden" den Wertpapierhandels-Service der neu gegründeten E-Trade Germany Aktiengesellschaft im Internet nutzen.

Wie Guido Sandler, Vorstand der Berliner Effektenbank, am Mittwoch erläuterte, erfordere das zum 1. Oktober gegründete Joint Venture zwischen dem zweitgrößten US-amerikanischen Online-Broker E-Trade Group Inc. und der Berliner Effektenbank AG (vgl. Tsp. vom 19. Oktober) im Vorlauf 15 Millionen Mark Investitionen. An einem Businessplan werde zurzeit gearbeitet. Geplant sei auch der Aufbau eines Call-Centers. Auf 400 bis 600 Kunden soll ein Kundenberater kommen, sagte Sandler. Die Anzahl der Mitarbeiter verteile sich im Verhältnis 80 zu 20 auf das Call-Center und das übrige Geschäft. Für das Gemeinschaftsunternehmen wird eine Vollbanklizenz beantragt. Mitte nächsten Jahres will man an den Start gehen. Der Sitz der Gesellschaft ist Berlin. An der E-Trade Germany AG halten die Berliner 35 Prozent, der Online-Broker New York Broker Deutschland AG fünf Prozent und die E-Trade Group mit 60 Prozent die Mehrheit. Die Beteiligung von New York Broker Deutschland sei "rein finanzieller" Natur.

E-Trade gehört mit knapp 50 Prozent zum größten asiatischen Internet-Konzern Softbank. Zwischen 25 Prozent und 30 Prozent der Anteile sind nach Angaben Sandlers breit gestreut. Das US-Unternehmen, das 1982 gegründet wurde und an der Nasdaq notiert, zählt 833 Mitarbeiter, weist 1,5 Millionen Kundenkonten aus und setzte zuletzt 621 Millionen Dollar um. Die Börsenkapitalisierung beträgt gut sechs Milliarden Dollar, obwohl der Kurs seit April rund 65 Prozent an Wert verlor. E-Trade ist in Europa in Frankreich, Großbritannien und Schweden vertreten. Bedingt durch einen sehr hohen Marketing-Aufwand schreibt das Unternehmen allerdings rote Zahlen. Für das letzte Geschäftsjahr (per Ende September) betrugen die Werbekosten von E-Trade insgesamt 250 Millionen Dollar. Inzwischen sind es schon 350 Millionen Dollar. Auch das neue Joint Venture dürfte durch den aufwendigen Wettbewerb um Kunden zunächst belastet werden und mit Verlust arbeiten, sagte Sandler.

Mit E-Trade macht die Berliner Effektenbank, Tochter des Finanzdienstleisters Berliner Effektengesellschaft, den hiesigen Marktführern im sogenannten Online-Brokerage wie Consors, Comdirect Bank und der Direkt Anlage Bank Konkurrenz. Dem Discount-Broker-Geschäft in Deutschland wird beachtliches Wachstumspotenzial zugebilligt. Bis Ende 2002 soll die Zahl der Internet-Nutzer bundesweit von 7,5 Millionen auf 27 Millionen steigen.

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