Berlin : Jubel auf der Leinwand

Die Fußball-Europameisterschaft geht in die Endphase. Wo man die Spiele live verfolgen kann

Steffen Hudemann

Als es spannend wurde, kam die Polizei ins Café Ellinikon (Martin-Luther-Str. 8, Schöneberg, Tel. 21 96 43 19). Mehr als 400 griechische Fans standen dort dicht gedrängt, um am Freitag das EM-Viertelfinale zwischen Griechenland und Frankreich zu verfolgen. Würden die Griechen die Sensation schaffen und ihren 1:0-Vorsprung verteidigen? Natürlich jubelten beim Kopfballtor von Stürmer Angelos Charisteas alle laut. Doch die Polizisten kamen nicht wegen des Lärms – sie ahnten, dass es einen Autokorso geben würde und wollten diesen durch die Stadt begleiten. „Zweieinhalb Stunden sind wir durch Berlin gefahren, die Polizei vorneweg. Es war fantastisch“, sagt Janni Selagselachoglou, Betreiber des Ellinikon. Das Café ist der Treffpunkt der Griechen in Berlin, natürlich auch zur Fußball-EM. Und obwohl griechisches Fernsehen laufe, kämen viele Deutsche, um der Überraschungsmannschaft der EM und ihrem deutschen Trainer Otto Rehhagel zuzujubeln.

Mike Draegert ist es egal, wer am Ende Europameister wird. In seinem Ballsaal ist allein die Liebe zum Fußball wichtig. Für die EM hat er eine Fabriketage in der dritten Etage, erster Hinterhof der Greifswalder Straße 212 in Prenzlauer Berg gemietet und einen Abenteuerspielplatz für Fußballfans gebaut. Geöffnet ist zu den Spielen. Mit Großleinwand und Fernseher, und mit echtem Feld und Toren, einer Torwand und jeder Menge Devotionalien. Richtig stolz ist Mike Draegert auf seine Ausstellung „Heiliger Rasen“. Dort hat er Rasenmischungen aus sechs großen Stadien der Welt nachgezüchtet und Tischfußballfelder damit bepflanzt. Gäste können die Felder selbst mähen, pflegen und darauf Tipp-Kick spielen.

Gegen „Faktenhuberei, Phrasendrescherei und Schönfärberei schlechter Spiele“ ist das Team des EM-Studio Mitte im Haus 1 des Pfefferberg (Christinenstr. 18-19, Prenzlauer Berg, Tel. 43735730) im Einsatz. Sven-Ole Knuth und Felix Ney, Stadionsprecher des 1. FC Union, und ein Kollege, der sich Waldefried Forkefeld nennt, blenden die Fernseh-Kommentare aus und ergreifen das Mikrofon. Für zwei Euro ist man dabei.

Auch in Kreuzberg drehen die Macher der trashigen Indoor-Fußballarena an der Bergmannstraße 5-7 gern mal am Regler. Zum Beispiel, wenn die Nationalhymnen laufen. Dort, wo sich die Szene aus Kreuzberg 61 früher bei Reichelt eindeckte, trifft man sich bis zum Finale zum Fußballgucken. Ladenregale raus, Biertische und Übertragungsleinwand rein – fertig ist die Underground-Tribüne. Die Idee hatten die Macher von Recordstore & Galerie , die die Reichelt-Räume übernahmen.

Hart erwischt hat es allerdings die Betreiber des EM-Club Tante Käthe (Oderberger Str. 19, Prenzlauer Berg). Nicht nur, dass die Deutschen ausgeschieden sind, auch Club-Namensgeber Rudi Völler, wegen seiner silbernen Locken Tante Käthe genannt, trat inzwischen zurück. Was die Getränkeauswahl betrifft, haben die Betreiber allerdings Weitsicht bewiesen. Sie bieten Biere aus den jeweils spielenden Ländern an. Am morgigen Donnerstag gibt es wieder griechisches Bier. Es heißt „Mythos“.

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