Berlin : Jubel für Hiebe und Liebe

Deutschland-Premiere des Musicals „3 Musketiere“ im Theater des Westens Auch Degenstar Gérard Depardieu war unter den vielen prominenten Gästen

Arvid Kaiser

Alt-Musketier Gérard Depardieu eilte als einer der letzten unter den Promis gestern Abend zur Musical-Premiere im Theater des Westens, ließ sich fotografieren - und verschwand wieder aus dem Theatersaal, bevor es dunkel wurde. Zum Imbiss oder in geheimen Mission? Vielleicht hat Schauspieler Depardieu ja ganz einfach bei seinen vielen bisherigen Degenabenteuern schon genügend Gefechte erlebt. Zur Pause allerdings war er dann wieder präsent inmitten des ersten Begeisterungstrubels nach Teil 1 der mit Spannung erwarteten Deutschland-Premiere der „3 Musketiere“. Zum Ende gab es dann stehenden Beifall.

Der niederländisch-deutsche Unterhaltungskonzern Stage-Holding hatte das Musical zum Großereignis gemacht, und entsprechend zahlreich strömten die prominenten Gäste: Sänger Chris de Burgh, Eiskönigin Katarina Witt, die Sängerinnen Katja Ebstein und Gitte Haening, Kammersänger Jochen Chowalski, Sängerin Gayle Tufts oder TV-Lady Dagmar Frederic. Und aus der Politik Bundeswirtschaftsminister Wolfgang Clement, natürlich der Regierende Klaus Wowereit mit Lebensgefährten Jörn Kubicki und Innensenator Ehrhart Körting.

Schätzungsweise zehn Millionen Euro hat die Produktion gekostet, die vor zwei Jahren in Rotterdam eine Art Testlauf absolvierte. Die „3 Musketiere“ waren dort ein Kassenerfolg. Und nicht nur das: Eines der von den Falco-Produzenten Rob und Ferdi Bolland komponierten Lieder schaffte es als Single auf Platz 1 der holländischen Hitparade. Einen ähnlichen Erfolg plant die Stage Holding offenbar auch in Deutschland. Ein Titel aus der Berliner Produktion wurde schon im Vorfeld veröffentlicht. „Alles“, gesungen von Fernseh-„Superstar“ Alexander Klaws und „3-Musketiere“-Neuentdeckung Sabrina Weckerlin, steht schon seit Anfang März oben in den Charts.

Die Idee, den Abenteuerroman von Alexandre Dumas auf die Musicalbühne zu bringen, hatte Stage-Holding-Chef Joop van den Ende persönlich. Die Geschichte um den jungen Abenteurer d’Artagnan erwies sich als äußerst musicaltauglich. Regisseur Paul Eenens war schon in Rotterdam dabei, doch „3 Musketiere“ in Berlin hat er nach eigenen Worten ganz neu inszeniert. „Es ist Blödsinn zu sagen: Das war ein Erfolg, den bringen wir jetzt woanders hin. Theater ist eine Liveshow.“ Schließlich würden auch in New York Stücke als echte Broadway-Musicals akzeptiert, die zuerst „out of town“ in Denver oder Kansas City aufgeführt wurden. „Vielleicht war Rotterdam unser Out of town und Berlin ist unser Broadway“, sagt Eenens. Immerhin sei das Bühnenbild völlig neu, 40 Prozent der Kostüme ebenfalls, und das Ensemble sei komplett ausgetauscht.

Bis auf eine Schauspielerin: Pia Douwes spielt hier wie in Rotterdam die intrigante Milady de Winter. Der holländische Musicalstar hat schon Erfahrung damit, dieselbe Rolle in verschiedenen Ländern zu spielen: Das Stück „Chicago“ etwa brachte sie als Velma Kelly von Utrecht über London nach New York. „Dasselbe Lied wie vorher auf Holländisch nun auf Deutsch zu singen, das ist schon schwer“, sagt Pia Douwes. Aus „Elisabeth“ kennt die Holländerin auch einen ihrer Bühnenpartner: Uwe Kröger, der den Kardinal Richelieu gibt. Er spielte in der Vorgängerproduktion „Les Misérables“ im Theater des Westens mit und ist der renommierteste deutsche Künstler der Aufführung.

Für Regisseur Paul Eenens ist die Arbeit nach der Premiere – bis auf regelmäßige Kontrollbesuche – nun beendet. „Ich freue mich, wenn ich diese Woche wieder nach Hause fahren kann“, sagt er. Zu Hause, das ist in Utrecht, sagt er in seinem sauberen Deutsch, mit unüberhörbar holländischem Akzent.

Die „3 Musketiere“ sind täglich außer montags zu sehen. Sonnabends und sonntags gibt es jeweils zwei Vorstellungen. Die Karten kosten zwischen 29 und 94 Euro und sind unter (01805) 4444 zu erhalten.

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