Berlin : Jubel über den „Waaahnsinn“: Fotoschau vom Mauerfall

Helmut Caspar

Das Ende der DDR spornte Journalisten und Fotografen zu Höchstleistungen an. Angesichts der sich überstürzenden Ereignisse im Wendejahr 1989/90 hatten sie Not, alle Termine wahrzunehmen. Ganz vorne war auch der Fotograf Andreas Schoelzel mit seiner Kamera dabei. Seine Aufnahmen aus den dramatischen Monaten zwischen der Kundgebung von einer halben Million Berlinern auf dem Alexanderplatz am 4. November 1989 und dem nicht geplanten Mauerfall fünf Tage später, der Währungsunion am 1. Juli 1990 und der Wiedervereinigungsfeier am 3. Oktober 1990 werden in einer neuen Ausstellung im Amtssitz der Bundesbeauftragten für die Stasi-Unterlagen gezeigt.

Wie ein Fels in der Brandung stehen da DDR-Zöllner mit ihren Stempelkästen vor dem Bauch in der Gegend, während nebenan aufgebrachte Bürger fordern, den SED- und Stasi-Spuk so schnell wie möglich zu beenden. Schoelzel zeigt in Schwarz-Weiß Menschen, die zwischen Euphorie und großen Erwartungen hin- und hergerissen sind. Man glaubt das Wort des Jahres 1989 „Waaahnsinn“ zu hören, wenn man in die Gesichter blickt, die er als Fotoreporter in der Nacht der Maueröffnung auf seinen Film gebannt hat. Zwischen glückliche Grenzgänger, die am Tag danach ein bisschen Westgeld eintauschen konnten, mischen sich auch Skeptiker, die den versprochenen blühenden Landschaften wenig Glauben schenken und schwierige Zeiten erwarten. Schoelzels Bilder bringen in Erinnerung, wie „Trabis“ gegen ein bisschen Westgeld verschleudert werden, obwohl ihre Besitzer sie vorher liebevoll gehütet hatten. Oder die Demontage von Betrieben, als noch niemand so recht wusste, wie es weitergehen sollte.

Die Fotoschau bleibt bis Mitte April in der Birthler-Behörde, danach soll sie auf Tournee durch andere deutsche Städte gehen.

Die Fotoausstellung im Haus des früheren DDR-Amtes für Statistik an der Karl-Marx-Straße 1 in Mitte ist werktags von 10 bis 16 Uhr geöffnet.

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