Berlin : „Jubeln ist bei uns nicht verboten“

Stadion-Chef hat nichts gegen aufspringende Fans

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In Leipzig haben Ordner aufspringende Fans aus dem Stadion geworfen, weil dies nach Stadionordnung verboten ist. Dürfen Fußball-Fans in Berlin stehend jubeln?

La Ola geht ja gar nicht anders. Teilweise haben sich sogar zwei Wellen gleichzeitig durchs Olympiastadion gejagt, das habe ich noch nie erlebt. Und ich gehe seit 40 Jahren ins Stadion. Beschwert hat sich keiner, selbst die Fans im VIP-Bereich haben im Stehen gefeiert.

In Ihrer Hausordnung steht aber auch, dass Besucher ihren Platz einnehmen müssen. Gelten zur WM also Sonderregeln?

Nein, nur Fluchtwege dürfen nicht versperrt sein. Die Fans setzen sich auf ihre Plätze, wenn ein Tor fällt oder die Welle kommt, springen sie auf. Das habe ich auch gemacht. Wenn es Probleme gibt, regeln die Besucher das erst einmal unter sich. Jubeln ist bei uns nicht verboten.

Können Sie sich erklären, warum in Leipzig aufspringende Mexikaner aus den Rängen geholt worden sind?

Es klingt für mich total absurd. Wenn es um die Sicht aufs Spielfeld geht, müsste man eigentlich auch alle mit Fahnen oder Hüten rauswerfen. Man kann ja nicht alles reglementieren. Bei Handgreiflichkeiten ist es etwas anderes. Ansonsten würde ich aber eher befürchten, dass solche Aktionen eine Kettenreaktion unter den Fans auslösen: Die erklären sich sofort solidarisch, wenn die Ordner die Muskeln spielen lassen.

Nach der Hausordnung darf man das Spielfeld nicht betreten. Dennoch rannte bei Brasilien gegen Kroatien ein Fan aufs Grün.

Es geht auch in erster Linie um den Rasen. Nur das Pflegepersonal darf ihn betreten, es hat ganz spezielle Schuhe – nicht, dass da irgendwelche Krankheiten oder Bakterien eingeschleppt werden, die schädlich für das Gras sind! Auf alles können wir nicht achten. Wenn abergläubische Spieler vorher auf ihre Schuhsohlen spucken, sind wir machtlos.

Peter von Löbbecke (63) ist Geschäftsführer der Olympiastadion GmbH. Mit dem erfahrenen Fachmann für Messen und sportliche Großereignisse sprach Anne Haeming.

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