Jubiläum: 30 Jahre Grundsteinlegung : Hohenschönhausen lebt auf

Vor 30 Jahren entstand Hohenschönhausen. Es war als kinder- und familienfreundliches Wohngebiet geplant, bis die Familien ausblieben. Heute erlebt der Bezirk einen Aufschwung.

Joy Schilling
Am 9. Februar 1984 wurde der Grundstein wurde in der Barther Straße 3 der Grundstein für den damals jüngsten Berliner Stadtbezirk Hohenschönhausen gelegt.
Am 9. Februar 1984 wurde der Grundstein wurde in der Barther Straße 3 der Grundstein für den damals jüngsten Berliner Stadtbezirk...Foto: Imago

Quietschende Straßenbahnen, tobende Kinder, junge Menschen auf dem Weg ins Kino – am Prerower Platz im Herzen Hohenschönhausens pulsiert das Leben. Wo vor mehr als 30 Jahren noch dörfliche Ruhe war, herrscht städtisches Leben. Im Februar 1984 hatte DDR-Partei- und Staatschef Erich Honecker den Grundstein für das Neubaugebiet gelegt. Seit Donnerstag erinnert nunmehr – mit ein bisschen Verspätung – eine Gedenktafel an den Startschuss für Hohenschönhausen. Übergeben wurde sie in der Rüdickenstraße von Bezirksbürgermeister Andreas Geisel und Kulturstadträtin Kerstin Beurich (SPD).

Auf die Entwicklung folgte die Flaute

Der „richtige“ Geburtstag Hohenschönhausens ist allerdings der 1. September 1985, als der Bezirk offiziell gegründet wurde. In den ersten fünf Jahren nach der Grundsteinlegung entstanden hier etwa 30.000 Wohnungen. Die Wendezeit brachte eine Flaute, viele Bewohner, die sich einst über die zentralbeheizten Wohnungen gefreut hatten, zogen fort. Neubauten wurden nicht mehr gebraucht. „Doch seit einigen Jahren ist wieder eine positive Entwicklung zu erkennen“, sagt Bürgermeister Geisel, „Die Wohnungsbestände wachsen stetig.“ Auch das Image Hohenschönhausens, das bei der Gebietsreform im Großbezirk Lichtenberg aufging, habe sich gewandelt. „Es findet ein Prozess der Umgestaltung statt mit dem Leitbild eines kinder- und familienfreundlichen Wohngebiets“, beschreibt Geisel die Veränderungen. „Der Zuzug an jungen Leuten und Familien ist enorm, so dass eine ganz neue Atmosphäre entsteht.“

Kunst und Kursangebote für die Anwohner

Auch kulturell tut sich einiges. Der Anteil an Kulturzentren und Künstlerateliers hat nach Angaben des Bezirks zugenommen. Teil dieser Bewegung sind auch die Künstlergruppe JWD, welche sich in den Gewerberäumen der Wohnunggesellschaft Howoge zur Zwischennutzung niedergelassen hat. Jeden Sonntag haben die Anwohner die Möglichkeit, ihrer Kreativität in der Tonwerkstatt freien Lauf zu lassen. „Wir wollen Kunst für die Öffentlichkeit zugänglich machen und mit den Anwohnern gemeinsam arbeiten“, sagte Mario Margani. Auch Ausstellungen und Kursangebote sollen in Zukunft realisiert werden.

Dennoch wünschen sich die Anwohner mehr Freizeit- und Kulturstätten. Dieser Meinung ist auch Christine Zeyner, die seit mehr als 25 Jahren in der Siedlung lebt. „Es sind zwar Ansätze zu erkennen, jedoch würden zusätzliche Angebote das Leben hier verschönern.“ Dieser Nachfrage will der Bezirk zeitnah nachkommen, verspricht Geisel. In den Plänen für das Wohngebiet sind Nachbarschaftszentren und kulturelle Einrichtungen vorgesehen. „Es gibt zahlreiche Künstler und andere Kreative, die sich aus dem Zentrum zurückziehen und hier in Hohenschönhausen neue Trends setzen wollen.“

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