Jubiläum der Klempner-Innung : 400 Jahre ohne Rohrverstopfung

Die Klempner-Innung feiert Jubiläum - Ein Spiegel der Berliner Geschichte am Beispiel einer Berufsgruppe.

Zum Schutz vor den rumfliegenden Funken trägt der Auszubildende eine Schweißerbrille, die zusätzlich verdunkelt werden kann.
Zum Schutz vor den rumfliegenden Funken trägt der Auszubildende eine Schweißerbrille, die zusätzlich verdunkelt werden kann.Foto: nullFoto: Doris Spiekermann-Klaas

„Ich bin Klempner von Beruf, / Ein dreifach Hoch dem, der dies’ gold’ne Handwerk schuf! / Denn auch in den größten Nöten / Gibt es immer was zu löten. / Immer wieder gibt es Pannen / An WC’s und Badewannen...“ Na und so weiter. Der Berufszweig kommt in dem 1974 veröffentlichten Spottgesang von Reinhard Mey nicht gut weg: Eine undichte Wasserleitung, mittels Festziehen einer Mutter leicht zu reparieren, weitet sich da schon mal zum Großauftrag mit komplett ausgetauschten Rohren samt Anschaffung eines neuen Kühlschranks aus. Ein krisensicherer Beruf: „Und braucht man keine Klempner mehr, / Na, dann werd’ ich halt Installateur.“

Klempner und Installateur – sie gelten vielen als Synonyme, die Betreffenden selbst nehmen es da genauer und sehen Unterschiede. Klempner, das waren ursprünglich die mit Blech arbeitenden Laternenmacher, heute sind es die auf Blechdächer, Regenrinnen und Ähnliches spezialisierten Handwerker, während das von Mey satirisch beschriebene Berufsporträt den Installateur meint. Immerhin: In der Innung Sanitär Heizung Klempner Klima Berlin (SHK) sind Klempner wie Installateure friedlich unter einem Dach vereint.

Jubiläum der Klempner und Kupferschmiede

Nun schon 400 Jahre schützt dieses Dach die unter ihm Versammelten. Hinter dem etwas sperrigen Namen verbirgt sich ein Unternehmerverband, der seinen rund 670 Mitgliedsbetrieben mit mehr als 5300 Erwerbstätigen und etwa 1000 Azubis als Beratungs-, Informations- und Dienstleistungszentrum dient, ihnen mittels Lobby- und Netzwerkarbeit das Umfeld der unternehmerischen Aktivitäten pflegt, ein Ausbildungszentrum betreibt und vieles mehr unternimmt.

An diesem Freitag wird das Jubiläum im Ausbildungszentrum der Innung in Gesundbrunnen gefeiert, auch der Regierende Bürgermeister wird als Ehrengast und Festredner erwartet.

Der Tag ist etwas willkürlich gewählt, weist zurück in die Zeiten des aus dem Mittelalter stammenden Zunftwesens. Ursprünglich gab es nur das „Berliner Viergewerk“, die Innungen der Bäcker, Schuhmacher, Tuchmacher und Fleischer, wobei die der Bäcker, am 18. Juni 1272 gegründet, die älteste ist. Erst 1617 erfolgte der Zusammenschluss der Klempner und Kupferschmiede, Keimzelle der modernen Innung. Unterlagen zum Gründungsakt gibt es nicht mehr, nur ein – allerdings später angefertigtes – Innungssiegel mit der Jahreszahl 1617 und in früheren Festschriften und anderen historischen Darstellungen Hinweise auf mittlerweile verloren gegangene Unterlagen.

Die dunklen Flecken der Geschichte

Auch zum 400. Jubiläum hat die Innung eine Festschrift vorgelegt, in der ihr Weg durch die Jahrhunderte mit allen Windungen, Höhen und Tiefen nachgezeichnet wird – ein Spiegel der Berliner Geschichte am Beispiel einer Berufsgruppe. Anfangs muss es wohl nur ein lockerer Zusammenschluss gewesen sein, der sich im kurz nach der Gründung ausbrechenden Dreißigjährigen Krieg bewähren musste als institutionalisierter Versuch, sich gegenseitig zu unterstützen. Sechs Jahre nach der Gründung setzte Kurfürst Georg Wilhelm dem einen Rahmen, erließ eine Taxordnung zur Festlegung von Höchstpreisen für Klempnerarbeiten, um den kriegsbedingten Teuerungen ein Ende zu setzen. 1687 legte der Große Kurfürst nach und erließ ein Privileg, in dem 36 Paragrafen alle Belange der Innung regelten.

Erst im frühen 19. Jahrhundert wurden die engen Grenzen des Zunftwesens in Preußen abgeschafft und die Gewerbefreiheit eingeführt, wandelte sich auch das Berufsbild im Zuge der Industrialisierung, eine von zahlreichen Um- und Neuorientierungen, die durch die technische, wirtschaftliche, soziale und auch politische Entwicklung notwendig wurden. Deren dunkelster Abschnitt sind sicher die Jahre von 1933 bis 1945, als die jüdischen Betriebe der Innung aus der Handwerksrolle gelöscht, deren Inhaber erst ihrer Existenzgrundlage beraubt und und später oft ermordet wurden. Etwa der Handwerksmeister Ludwig Sabat, der 1924 seine Prüfung als Klempnermeister in Berlin bestanden hatte, am 28. Juni 1943 nach Auschwitz verschleppt wurde und dort wenige Monate später ermordet wurde.

Schon das 350. Jubiläum hatte die Innung festlich begangen. Die dunklen Flecken ihrer Geschichte blieben damals unerwähnt, anders als in der aktuellen Festschrift, die auf Sabats Schicksal verweist, stellvertretend für die damals von den Verfolgungen betroffenen jüdischen Mitglieder. Und dabei wird es nicht bleiben: Später im Jahr soll es am Eichborndamm 84 in Reinickendorf eine Gedenkveranstaltung der Innung geben. Dort, an seiner letzten Berliner Wohnung, erinnert ein Stolperstein an den jüdischen Klempner Sabat mit der Innungsmitgliedsnummer 1006.

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