Jubiläum : Gedenken an die Luftbrücke - ohne den Senat

Die Zurückhaltung des Senats beim 60. Jahrestag des Beginns der Luftbrücke hat zu einem heftigen Politstreit geführt.

Rainer W. During

CDU und FDP werfen der SPD vor, das Ereignis aus Rücksicht auf den Koalitionspartner Linkspartei nicht ausreichend zu würdigen. Der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit blieb der gestrigen Feierstunde am Luftbrückendenkmal fern. Auch andere politische Würdenträger der Stadt waren nicht eingeladen.

In Wiesbaden und Frankfurt wurde der Jahrestag am Donnerstag groß mit Bundesverteidigungsminister Franz Josef Jung und Hessens Ministerpräsident Roland Koch gefeiert. In Berlin blieb die Organisation dem Alliiertenmuseum überlassen. Dem Vernehmen nach hatte die Senatskanzlei im Vorfeld signalisiert, dass Einladungen an Landespolitiker unerwünscht seien.

„Ich weiß nicht, was er für Termine hat“, sagte US-Botschafter William R. Timken dem Tagesspiegel zum Ausbleiben von Wowereit. „Wir jedenfalls glauben, dass die Erhaltung der Freiheit Berlins ein sehr wichtiges historisches Ereignis ist.“ FDP-Fraktionschef Martin Lindner kritisierte, die SPD nehme „zulasten der Geschichte“ Rücksicht auf ihren Koalitionspartner. Die Linkspartei habe sich mit ihrem Bestreben durchgesetzt, „die Erinnerung an den Triumph der Freiheit über den russischen Würgegriff auszulöschen“, so der parlamentarische Geschäftsführer der CDU-Fraktion, Frank Henkel. Die Sprecherin der Linksfraktion, Kathi Seefeld, wies dies als „Quatsch“ zurück.

Am Nachmittag empfing Klaus Wowereit die Veteranen im Roten Rathaus, um „allen zu danken, die damals für die Freiheit Berlins eingetreten sind“. Die Luftbrücke sei eine „gigantische Leistung gewesen“. Als einziger Landesvertreter war Protokollchef Otto Lampe zum Festakt nach Tempelhof gekommen. Das Fernbleiben des Senats erklärte er mit der Tradition, dass Berlin grundsätzlich das Ende der Blockade am 12. Mai feiere.

Das ist nachweislich falsch. Zum 15. Jahrestag des Luftbrückenbeginns kam 1963 US-Präsident John F. Kennedy in die Stadt und bekannte vor 400 000 Menschen: „Ich bin ein Berliner.“ Am 23. Juni 1988 flog Parlamentspräsident Peter Rebsch mit den alliierten Botschaftern in einem Rosinenbomber von Frankfurt am Main zur Gedenkfeier nach Tempelhof. 1998 gab es zum 50. Jahrestag nicht nur einen Festakt mit dem Regierenden Bürgermeister Eberhard Diepgen. US-Präsident Bill Clinton taufte ein Transportflugzeug auf den Namen „Spirit of Berlin“, und 500 000 Menschen strömten zu den Luftbrücken-Flugtagen nach Tempelhof.

Gestern blieb es dem Parlamentarischen Staatssekretär im Verteidigungsministerium, Thomas Kossendey (CDU), vorbehalten, daran zu erinnern, „was die Luftbrücke für diese Stadt, unser Land und die Freiheit in der Welt bedeutet“. Sie verdanke ihren Erfolg dem Mut, der Willensstärke und der Energie der Alliierten ebenso wie der West-Berliner. Selbst ein Kind jener Zeit, erinnere sich Kossendey an die Schokolade, das Milchpulver und „die etwas salzig schmeckende Butter“.

„Freiheit gibt es nicht umsonst, sondern manchmal nur zu einem hohen Preis“, sagte der Oberbefehlshaber der Nato-Luftstreitkräfte, US-General Roger A. Brady, im Hinblick auf die Opfer der Luftbrücke. „Wir haben schnell erkannt, dass es auch der Wille der Berliner war, jeden Preis für ihre Freiheit zu zahlen“, so der pensionierte britische Air Vice Marshall G. C. Lamb.

Einige der Veteranen trugen wieder ihre Pilotenjacken. „Blockade-Buster“ war auf dem Rücken von Johnny Macia zu lesen. „Candy-Bomber“ Gail Halvorsen musste immer wieder Autogramme schreiben. „Wir sind eine lebende Geschichte, die langsam verschwindet“, sagte Ex-Commander Earl Moore, der für die US Navy in der Luftbrücke flog.

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