Berlin : Jubiläum mit Julia

Hexenkessel-Hoftheater feierte sein zehnjähriges Bestehen

Constance Frey

Julia stolpert im roten Kleid über die Bühne, das Gift hat gewirkt. Doch wo kommen plötzlich die schwarzen und weißen Figuren her, die sich finster vor dem Abendhimmel anfauchen? Zum zehnten Geburtstag des Hexenkessel Hoftheaters hat Roger Jahnke „Juliet in Wonderland“ inszeniert. Das Stück erzählt, was in den zwölf Stunden passiert, in denen Julia unter dem Einfluss des Giftes steht, das sie getrunken hat, um ihren Tod vorzutäuschen. Dafür hat Jahnke als Hommage an die zehn letzten Jahre des Hoftheaters Hexenkessel Kostüme aus alten Inszenierungen genommen und eine Überraschungsszene aus Goldonis „Diener zweier Herren“ eingebaut.

Damit hat er sich einen alten Wunsch erfüllt. 1994 stieg er in das Hexenkessel-Projekt ein, weil er „Romeo und Julia“ aufführen wollte. Doch Regisseur Jan Zimmermann kramte immer andere Stücke aus. Die Schauspieler traten damals im Hof eines besetzen Hauses in der Schönhauser Allee auf, und es ist eher ein Zufall, dass sie bislang fast ausschließlich Stücke von Shakespeare spielten. Regisseur Jan Zimmermann erklärt sich das damit, dass diese Stücke sich vor allem für kleine Besetzungen eignen.

Von der Schönhauser Allee zogen sie über die Kulturbrauerei und Freilichtbühne Friedrichshain in den Monbijoupark. Wer draußen spielt, muss auf die Gunst der Elemente hoffen, und die war den Schauspielern im Sommer 2000 nicht hold. Bei strömenden Regen wurde der „Mittsommernachtstraum“ gespielt, hinter der Bühne gab’s für frierende Füße heiße Bäder. 2002 wurde alles anders, am Spreeufer eröffnete die Strandbar und finanzierte das Theater mit, und zum ersten Mal spielte die Truppe mit „Was ihr wollt“ und der „Zähmung der Widerspenstigen“ in einer Saison zwei Stücke.

Mit den Einnahmen aus der Strandbar und dem neu eröffneten Oststrand deckt das Theater zur ersten Mal seine Kosten. „Jetzt“, sagt Pressesprecherin Sylke Bluhm, „wollen die Schauspieler aber endlich mal „Romeo und Julia“ spielen.“

„Juliet in Wonderland“: sonntags und montags bis zum 25. August um 21.30 Uhr; „Richard III.“: dienstags bis samstags bis zum 30. August um 21.30 Uhr; „Das Wintermärchen“: dienstags bis sonnabends bis zum 6. September um 19.30 Uhr zu sehen.

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