Berlin : Jüdische Gemeinde distanziert sich von Kritik am Sicherheitskonzept

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Die Jüdische Gemeinde hat sich von ihrem streitbaren Mitglied Julius Schoeps distanziert. "Mit Bestürzung und Befremden" nehme die Repräsentanten-Versammlung die von Schoeps öffentlich geäußerte Kritik am Sicherheitskonzept zur Kenntnis, heißt es in einer von 16 Mitgliedern einstimmig beschlossenen Resolution. Der Direktor des Potsdamer Moses-Mendelssohn-Zentrums soll die israelischen Sicherheitskräfte, die zum Schutz von Einrichtungen der Gemeinde eingesetzt werden, mit "Pasdaran-Milizen" verglichen haben. Dies weist die Gemeinde "auf das Entschiedenste" zurück.

Schoeps, der dem Gremium ebenfalls angehört, war der Versammlung ferngeblieben. Er fürchte, tätlich angegriffen zu werden, hatte er schriftlich mitgeteilt. Tatsächlich wurden im Versammlungsraum Transparente mit Parolen wie "Schoeps go home" gezeigt. Gegenüber dem Tagesspiegel sagte Schoeps gestern, die Repräsentanten hätten ihn offenbar missverstanden. In einem Fernseh-Interview habe er lediglich zu bedenken gegeben, dass der Senat von Berlin es wohl kaum zulassen würde, wenn etwa "eine muslimische Gemeinde in Kreuzberg ihre Einrichtungen von der Pasdaran-Miliz sichern lasse". Schoeps ist weiterhin der Ansicht, dass allein die Berliner Polizei für den Schutz der Jüdischen Gemeinde zuständig sein sollte. Wenn Israelis eingesetzt werden, könne der Eindruck entstehen, die Jüdische Gemeinde sei ein "exterritoriales Gebiet".

Sowohl der Vorsitzende der Gemeinde, Andreas Nachama, als auch die Innenverwaltung hatten mehrfach betont, dass die Israelis ausschließlich Innenräume schützen sollen, davor würden weiterhin Polizisten eingesetzt. Nachama sagte gestern, das Sicherheitskonzept beruhe auf demokratischen Mehrheitsbeschlüssen der Gemeinde.

Besorgt über dieses Sicherheitskonzept äußerte sich gestern die Historikerin Marianne Awerbuch. Die ehemalige Leiterin des Judaistik-Instituts der Freien Universität befürchtet, "dass den Berliner Juden mit dieser Entscheidung der sehr zweifelhafte Stempel aufgedrückt wird, eine Zweigniederlassung Israels zu sein". Der Senat müsse sich für den Schutz der Juden in Berlin verantwortlich fühlen und zeigen - "egal von welcher Seite eine Bedrohung ausgeht". Man könne nicht einerseits bejubeln, dass es in Berlin wieder eine lebendige jüdische Gemeinde gibt und sich gleichzeitig als unfähig erklären, diese angemessen zu schützen.

Dass sich Gemeinde und Senat über den Einsatz der Israelis einigten, weil sie angeblich besser als Berliner Polizisten auf Angriffe islamischer Terroristen reagieren könnten, mache sie fassungslos, sagt Awerbuch. Auch die bauliche Verstärkung der Sicherheitsanlagen erfülle viele Gemeindemitglieder mit Angst. "Sie fühlen sich dadurch von der Allgemeinheit abgesondert."

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