Berlin : Jüdische Gemeinde ehrt das Engagement des Schauspielers mit dem Heinz-Galinski-Preis

Alexander Pajevic

Der Schauspieler Dietmar Schönherr ist Träger des diesjährigen Heinz-Galinski-Preises der gleichnamigen Stiftung der Jüdischen Gemeinde zu Berlin. Ausschlaggebend für die Wahl war seine Rede bei der Verleihung des Fernsehpreises "Goldene Kamera" im vergangenen Februar.

Auf der Galaveranstaltung hatte der Schauspieler - er war in der Kategorie "Kultstars der Fünfziger Jahre" nominiert worden - den Schriftsteller Martin Walser für seine umstrittene Rede bei der Verleihung des Friedenspreises des Deutschen Buchhandels im vergangenen Jahr kritisiert. Schönherr nannte die Rede Walsers "unpolitisch wolkig" und beanspruchte für sich und die "kommenden Generationen" gegen Walsers Äußerungen das "Recht, sich erinnern zu dürfen". Wörtlich sagte Schönherr, dass Deutschland und Österreich nur zu aufrechtem Gang zurückfinden könnten, wenn sie "fähig seien, sich zu erinnern, im Bewusstsein des wegschauenden Versagens".

Die Stiftung würdigte mit der Verleihung auch das Lebenswerk Schönherrs, das, so heißt es in der Begründung für die Auszeichnung, geprägt sei durch "Verständigung, Toleranz, gegenseitigen Respekt, dem Eintreten für Frieden und Aussöhnung und der aufrichtigen Auseinandersetzung mit den Problemen der Gegenwart und der Vergangenheit".

Schönherr wurde 1926 als Sohn eines Generals im österreichischen Innsbruck geboren; nach dem Tod seines Vaters im Jahr 1954 soll man in dessen Nachlass Gedichte gegen den Krieg gefunden haben. Die Familie war in den dreißiger Jahren nach Potsdam übergesiedelt, wo Schönherr 1943 das Abitur ablegte und in dem Ufa-Film "Junge Adler" erstmals vor der Kamera stand.

Nach Kriegsdienst und Gefangenschaft begann in den fünfziger Jahren seine steile Karriere, in dessen Verlauf er in mehr als 70 Filmen mitwirkte. Kultstatus erlangte er mit der frühen Science-Fiction-Fernsehserie "Raumpatrouille" als Commander McLane des Schiffs Orion. Schönherr ist auch als Moderator im deutschen und österreichischen Fernsehen bekannt; mit seiner zweiten Ehefrau Vivi Bach führte er durch verschiedene Fernsehshows. Zudem betätigte der Schauspieler sich als Sänger und Synchronsprecher; unter anderem war er die deutsche Stimme von James Dean.

Doch seit Beginn der achtziger Jahre ist Schönherr auch durch sein politisches Engagement in der Friedensbewegung aufgefallen. Schlagzeilen machte er 1983, als er den damaligen amerikanischen Präsidenten Ronald Reagan auf einer Kundgebung in Essen einen "Verbrecher" nannte. 1985 gründete er die Stiftung "Hilfe zur Selbsthilfe", die verschiedene Projekte in Nicaragua unterstützt.Die Heinz-Galinski-Stiftung wurde 1987 von der Jüdischen Gemeinde zu Berlin eingerichtet. Ihr Ziel soll es sein, Religion, Toleranz, Bildung und Völkerverständigung zu fördern. Der alljährlich vergebene Preis ist mit 25 000 Mark dotiert; vor Schönherr wurden schon etwa Siegfried Lenz, Richard von Weizsäcker oder Barbara John geehrt.

0 Kommentare

Neuester Kommentar