Berlin : Jüdische Gemeinde: Rücktritt vom Abtritt

apa

Mit der abermaligen Kandidatur von Andreas Nachama für den Gemeindevorsitz der Jüdischen Gemeinde zu Berlin ist Bewegung in die Wahlen zur Repräsentantenversammlung (RV) gekommen. Nachdem der bisherige Vorsitzende Nachama im vergangenen Sommer bekanntgegeben hatte, für eine weitere Amtszeit nicht zur Verfügung zu stehen, war der bisherige Schuldezernent Moishe Waks lange Zeit als einziger aussichtsreicher Kandidat mit Ambitionen auf dieses Amt in Erscheinung getreten. Der Gemeindevorsitzende wird von der RV aus ihren Reihen gewählt.

"Ich bin nicht überrascht", kommentierte Waks die Kandidatur Nachamas. "Ich hatte schon mehrere Wetten darauf laufen, dass er doch wieder antritt." Auf seine eigene Bewerbung soll das jedoch keinen Einfluss haben. "Entscheiden werden die Wähler - ich trete wieder an", sagte der 48 Jahre alte Unternehmensberater, der in München geboren und in Düsseldorf aufgewachsen ist.

Die Gemeinde kehrt mit den kommenden Wahlen zum Prinzip der Listenwahl zurück, wobei deren Mitglieder jedoch einzeln von den Wählern bestätigt werden müssen. Waks hat gemeinsam mit mehreren anderen Vorstandskollegen die Liste "Jüdisches Forum" gegründet, mit der er die seiner Meinung nach bislang erfolgreich geleistete Arbeit fortführen will. Nachama kandidiert jetzt für die Liste "Jüdische Einheit". Ursprünglich sollte dieser auch als Neuzugang in der Gemeindepolitik der Schriftsteller Rafael Seligmann angehören; Berichten zufolge wird er jedoch jetzt als Einzelkandidat antreten, da er sich nicht von einer "Liste Nachama" vereinnahmen lassen wolle.

Ursprünglich hatte Nachama seinerzeit eine gewisse Amtsmüdigkeit durchblicken lassen und angekündigt, wieder auf seinen Posten als Leiter der Stiftung Topographie des Terrors zurückzukehren, da er das Gefühl habe, dort benötigt zu werden. Noch vor zwei Wochen soll er im Vorstand der Gemeinde jegliche Kandidaturabsichten verneint haben. Der Brandanschlag auf den Jüdischen Friedhof von Potsdam habe ihn schließlich zu einem Meinungswechsel bewogen, sagte er. Dieses Erlebnis sei jetzt ausschlaggebend für ihn gewesen, dem Drängen sowohl von innerhalb, wie auch außerhalb der Gemeinde nachzugeben und wieder zu kandidieren.

Insgesamt 63 Kandidaten haben sich auf den Wahllisten eintragen lassen, von denen nicht alle einer Liste angehören wie etwa der Leiter des Potsdamer Moses Mendelsohn Zentrums, Julius Schoeps. Den Gemeindehaushalten wird demnächst eine Broschüre zugestellt, in der sich die Bewerber einzeln vorstellen, zudem wird es von Seiten der Gemeinde noch einige Wahlveranstaltungen geben. Jeder Kandidat und jede Liste kann jedoch zusätzlich noch mit eigenen Auftritten um Stimmen werben.

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