Berlin : Jüdische Gemeinde um Ruf besorgt Neuer Chef Gideon Joffe

intern weiter in der Kritik.

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Die Jüdische Gemeinde Berlin verliert an Bedeutung. Die mit 10 500 Mitgliedern größte jüdische Gemeinde in Deutschland ist nicht mehr im Präsidium des Zentralrats der Juden in Deutschland vertreten, dem obersten Leitungsgremium der politischen Vertretung der jüdischen Gemeinschaft. Das Präsidium wird vom 28-köpfigen Direktorium gewählt. Gideon Joffe, der neue Vorsitzende der Berliner Gemeinde, verfehlte die nötige Mehrheit der Stimmen; nach inoffiziellen Angaben soll er fünf Stimmen bekommen haben. „Wir machen uns große Sorgen um das Ansehen der Gemeinde“, sagte Micha Guttmann, einer von sieben Repräsentanten im Berliner Gemeindeparlament, der nicht zu Joffes Gruppe „Koach“ gehört.

Joffe hatte die Nachwahl zum Gemeindeparlament im Januar mit seinem Wahlbündnis Koach haushoch gewonnen und wurde auf der konstituierenden Sitzung am 29. Februar zum neuen Vorsitzenden gewählt. Am Dienstagabend wurde die konstituierende Sitzung zu Ende geführt, da sie am 29. Februar um Mitternacht wegen allseitiger Erschöpfung abgebrochen worden war. In der Zwischenzeit hatte Joffe den Antisemitismusbeauftragten Levi Salomon vor die Tür gesetzt und zwei weitere Vertraute seiner Vorgängerin Lala Süsskind entlassen. Nach wie vor ist nicht bekannt, welche Ideen Joffe für die Zukunft der Gemeinde hat und vor allem: wie er das große Finanzproblem lösen will. Auch mit dem Senat hat Joffe offenbar noch keinen Kontakt aufgenommen. „Joffe spielt auf Zeit und schottet sich ab“, sagt Guttmann. Er kritisiert auch, dass sich der Vorstand der Gemeinde weder zum Attentat auf die jüdische Gemeinde in Toulouse noch zur Affäre um das Gedicht von Günter Grass geäußert habe. Auch für den Tagesspiegel ist Joffe seit Monaten nicht zu sprechen.

Um trotzdem Öffentlichkeit herzustellen, haben Guttmann und andere Oppositionelle aus dem Gemeindeparlament jetzt den Internetblog „Gemeindewatch“ eingerichtet, in dem sie über Vorgänge innerhalb der Gemeinde berichten. Claudia Keller

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