• Jüdische Gemeinde wählt Albert Meyer zum Vorsitzenden Historiker Schoeps für Bildung und Kultur zuständig

Berlin : Jüdische Gemeinde wählt Albert Meyer zum Vorsitzenden Historiker Schoeps für Bildung und Kultur zuständig

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Am Mittwochabend hat die Jüdische Gemeinde einen neuen Vorstand gewählt. Der 56jährige West-Berliner Anwalt Albert Meyer wurde erwartungsgemäß einstimmig zum Vorsitzenden gekürt. Er ist außerdem für die Bereiche Steuern, Synagogen und Sicherheit zuständig. Der Historiker Julius Schoeps, der das Potsdamer Moses-Mendelssohn-Zentrum leitet, wird sich um Bildung und Kultur kümmern. Die anderen Vorstandsmitglieder sind Arkadi Schneiderman (Verwaltung und Personal), Fredy Gross (Finanzen) und Josef Eljaschewitsch (Soziales). Dem Gemeindeparlament steht die Hotel-Besitzerin Sylva Franke vor. „Der Vorstand wird sein Bestes geben“, sagte Meyer und strahlte stolz übers ganze Gesicht. Sylva Franke wünschte sich, „dass die Gemeinde wieder zu dem wird, was sie unter Heinz Galinski war“.

Die Voraussetzungen dazu sind so gut wie schon lange nicht mehr. Denn Albert Meyer besetzt mit seiner liberalen „Kadima“-Liste 20 der 21 Sitze im Gemeindeparlament. Den 21. Sitz belegt Meyers Amtsvorgänger Alexander Brenner, der bei der Wahl vor vier Wochen als Parteiloser kandidierte. Mit der Kadima-Mehrheit könnte der neue Vorstand die Probleme der Gemeinde tatsächlich angehen: die Sanierung des Haushalts, die Integration der russischen Einwanderer und die Stärkung der Einheit der Gemeinde. So schnell wie möglich muss der neue Vorstand den Haushalt 2004 beschließen. „Aber wir wissen noch nicht, welche Überraschungen es gibt“, sagt ein Präsidiumsmitglied, „bisher durften wir ja nicht in die Bücher schauen“. Um das Defizit abzubauen, will Meyer millionenschwere Ansprüche auf Immobilien und Grundstücke in den Ost-Bezirken gegenüber der Jewish Claims Conference geltend machen. Außerdem soll Personal abgebaut und die Verwaltung modernisiert werden.

Zu der Versammlung waren über 300 der 12000 Gemeindemitglieder gekommen. Mit Meyers Wahl zum Vorsitzenden fand ein Generationswechsel an der Spitze der Jüdischen Gemeinde Berlin statt. Meyer ist nach dem Krieg geboren. Seine Eltern haben die Judenverfolgung im Untergrund in der Nähe von Potsdam überlebt. clk

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