Berlin : Jüdisches Museum: Zur Eröffnung erklang Mahlers 7. Symphonie

Lars von Törne

Mit einem Festkonzert begann am frühen Sonntagabend die Eröffnungsfeier des Jüdischen Museums Berlin. Rund 2400 geladene Gäste eilten bei Nieselregen in die Philharmonie. Dort spielte das Chicago Symphony Orchestra unter Daniel Barenboim Gustav Mahlers 7. Symphonie. Unter den prominenten Gästen waren Bundeskanzler Gerhard Schröder, Bundespräsident Johannes Rau und Museumsdirektor Michael W. Blumenthal.

Daneben standen auf der Gästeliste Künstler wie Christo und Jeanne-Claude, Bundesminister wie Joschka Fischer und Herta Däuber-Gmelin und die Vertreter der großen Religionsgemeinschaften. Auch zahlreiche Landespolitiker saßen im Saal, unter anderem der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit und sein Herausforderer Frank Steffel.

Nach dem Konzert unternahmen Schröder und Blumenthal einen ersten Rundgang durch die Ausstellung. Zum anschließenden Festbankett wurden mehr als 850 Gäste im Daniel-Libeskind-Bau erwartet, unter ihnen Vertreter jüdischer Organisationen aus dem In- und Ausland, Stifter und Leihgeber, aber auch die Schauspieler Manfred Krug, Otto Sander, Meret Becker und Iris Berben. Zum Auftakt des Galadinners sprachen Bundespräsident Rau und Blumenthal.

Die Gäste des Gala-Dinners wurden mit mehr als 20 Bussen und knapp 50 Limousinen vom Konzert zum Museum in die Kreuzberger Lindenstraße gebracht. Wegen des ohnehin geringen Sonntagsverkehrs verlief die Fahrt aber ohne größere Schwierigkeiten. Ohnehin hielten sich die angekündigten Verkehrsbehinderungen am Sonntagabend in Grenzen. Sowohl rund um die Philharmonie als auch im Umfeld des Jüdischen Museums kam es trotz der Straßensperrungen der Polizei kaum zu Staus. Die Lindenstraße war seit dem Vortag zwischen Gitschiner und Ritterstraße zur Hochsicherheitszone ausgebaut geworden. Gitter und Dutzende von Polizisten versperrten die Zugänge. Nur geladene Gäste durften passieren. Autofahrer und Anwohner mussten auf die umliegenden Straßen ausweichen.

Die Polizei kontrollierte die Personalien der Besucher teilweise mehrfach, bevor sie zum Libeskind-Bau vorgelassen wurden. Einzelne Anwohner lieferten sich kleine Wortgefechte mit den Beamten und beschwerten sich, dass sie Umwege auf sich nehmen mussten. Ansonsten verlief der Abend ruhig und ohne Zwischenfälle.

Bereits im Vorfeld hatten Repräsentanten von Politik und Kultur die Eröffnung des Jüdischen Museums als ein Ereignis von internationaler Bedeutung gewürdigt. Die Ausstellung mit mehr als 3900 Objekten soll zwei Jahrtausende deutsch-jüdischer Geschichte dokumentieren und zeigen, welche verheerenden Folgen es hat, wenn Vorurteile das harmonische Zusammenleben zerstören. Rund 1650 Ausstellungsstücke sind Originale, darunter knapp 600 Leihgaben. Besonderes Anliegen sei es, auch junge Menschen und Familien anzusprechen, hatte Blumenthal betont.

Der Vorsitzende des Zentralrats der Juden in Deutschland, Paul Spiegel, äußerte in einem Gespräch mit dem DeutschlandRadio Berlin die Hoffnung, dass das Museum einen wesentlichen Beitrag zu einer besseren Begegnung zwischen Juden und Nicht-Juden leiste. Vor allem jüngere Menschen könnten durch einen Museumsbesuch ein anderes Verhältnis zum Judentum, der jüdischen Geschichte und Religion entwickeln.

Blumenthal sagte im Deutschlandfunk, dass die Geschichte der deutschen Juden den größten Teil der heute lebenden Deutschen unbekannt sei. Mit Hilfe des Hauses solle versucht werden, "zu verhindern, dass heute Deutsche, wenn sie von Juden hören oder Juden treffen, sofort immer nur an Auschwitz denken".

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