Jürgen Drews mit neuem Album : Einer im Kahn

Jürgen Drews, geboren in Nauen, schippert auf der Spree – natürlich mit Mikro und perlweißem Grinsen.

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Schreibeuter. Jürgen Drews setzt sich routiniert in Szene. Foto: Eventpress Herrmann
Schreibeuter. Jürgen Drews setzt sich routiniert in Szene. Foto: Eventpress HerrmannFoto: Eventpress Herrmann

Das Steuerrad fest in Händen, kurbelt Jürgen Drews mal nach links, dann wieder nach rechts, der Spreekahn schwankt, die Fotografen halten drauf. Ein paar Mal muss der echte Steuermann dem Partykapitän ins Rad greifen, es sollen ja alle wieder trocken an Land kommen. Aber die Botschaft ist klar: Drews dreht am Rad, Quatsch, Drews ist der „Schlagerpirat“. So heißt sein neues Album, das am Freitag erscheint.

Er stellt es am Dienstag auf einem Spreekahn vor, kleine Runde unter der Oberbaumbrücke durch und wieder zurück. Jürgen „Ein Bett im Kornfeld“ Drews. Großraumdiskobeschaller, Boulevardzeitungshauptfigur, Rampensau und Partymeister. 1945 in Nauen geboren, grandios erhalten, mit wehender Mähne, perlweißem Grinsen und Silberslippern wie frisch aus der Schatzkiste. „Es wundert mich, dass ich immer noch Party mache“, sagt er ins Mikro. Udo Jürgens habe ihm mal ins Gesicht gesungen: „Mit 66 Jahren, da fängt das Leben an“ – „Udo“, antwortete Drews, „halt die Schnauze!“

Alles sei gut, sagt Drews, er sei froh, dass er noch fit sei, „Familie stimmt, Umfeld stimmt“, und jetzt geht er eben noch mal auf große Fahrt: Weniger Partyhits, dafür jetzt volle Kanne Schlager. Nur eben, naja, jünger. Cooler irgendwie. Augenzwinkernder. Mit den neuen 18 Songs will Drews den Schlager kapern wie die Piratenpartei das Abgeordnetenhaus. „Ich will dein Pirat sein“, singt er, „komm zu mir an Deck“. Denn: „Die Zeiten ändern sich und auch der Sound / Weil diese Welt sich dreht“. Da sind mutige Visionen entscheidend: „Ich bau dir ein Schloss / das in den Wolken steht.“

Drews ist nicht sehr gut bei Stimme auf dem winzigen Ausflugsschiff, trotzdem lässig, ein Vollprofi. Es ist einfach nur noch ein bisschen früh am Mittag für ihn. Er erzählt ein bisschen Lebensgeschichte, von den Anfängen seiner Karriere in den USA mit den Les Humphries Singers, wo seine Songs um 1970 kurzzeitig in den Top-50-Charts rangierten, man wolle bald wieder zusammen auftreten, „Betreutes Singen“ nennt er das, todernst nimmt er sich wirklich nicht.

Und natürlich singt Drews auch, unten plätschern die Wellen, vom Ufer grölen Passanten herüber. Und Käpt’n Raue Kehle bringt den alten Hit „Mama Loo“ natürlich auch – mit tollem Echo unter der Oberbaumbrücke – „König von Mallorca“, zu dem Thomas Gottschalk ihn 1999 in der lokalen Stierkampfarena erklärte. Inzwischen besitzt Drews auch ein sogenanntes Kult-Bistro dieses Namens in Santa Ponsa.

Das Schiff fährt an der Arena am Ostbahnhof vorbei, Drews stimmt jetzt auch mal einen Song von der neuen CD an. In der Schmuseballade „Wenn die Wunderkerzen brennen“ dreht er das richtig große Schlagerrad, mit Sternen, die schlafen gehen und einem „Ich liebe dich, mein Engel“, das für immer am Himmel steht. Klar, dass er da an seine Frau Ramona denke, oder auch an seine Tochter Joelina. Aber das Lied sei bewusst allgemein gehalten: „Das könnte man auch seinem Hund vorsingen.“

Vielleicht hätte der „Romantiker“ (Presseinfo) Drews lieber „Hey, wir woll’n die Eisbären sehn“ bringen sollen, die Hymne für die Eishockey-Fans. Aber die Puhdys, mit denen er sie zusammen singt, sind leider nicht mit an Bord.

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