Berlin : "Jugend forscht": Sieg mit der Studie über die "Love Parade"-Schäden

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Als andere im Tiergarten in der Sonne lagen oder auf der Love Parade tanzten, gingen zwei Schülerinnen der Lise-Meitner-Schule in Neukölln ihrem Forschungsdrang nach. Dafür wurden Ute Trauer (22) aus Kaulsdorf und Seike Gericke (21) aus Mariendorf gleich mit zwei ersten Preisen beim bundesweiten Wettbewerb "Jugend forscht" belohnt. Die beiden haben mit ihrer Studie "Love Parade und die Umweltfolgen" herausbekommen, dass die hohen Urinmengen bei der Love Parade keine Langzeitfolgen für den Tiergarten haben.

Bundesforschungsministerin Edelgard Bulmann übergab ihnen gestern in Chemnitz den mit 3000 DM dotierten "Jugend forscht"-Preis. Zudem bekamen die jungen Biologinnen den ebenfalls mit 3000 DM dotierten Sonderpreis des Bundeskanzlers für die originellste Arbeit. Die Jury hob besonders die innovative Vorgehensweise der biochemischen und bodenkundlichen Analysen hervor. Durch die Erkenntnisse ihrer wissenschaftlichen Untersuchungen könnten die Jung-Forscherinnen konkrete Empfehlungen für künftige Veranstaltungen geben.

"Ich freue mich riesig. Wir haben überhaupt nicht damit gerechnet", sagte Ute Trauer gestern kurz nach der Auszeichnung am Telefon. Die Freude konnte man aus ihrer aufgeregten Stimmen regelrecht heraushören. Ein Jahr lang haben die zwei Schülerinnen des Oberstufenzentrums für Physik, Chemie und Biologie im Bereich des Tiergartens Wasser und Bodenproben entnommen, dies in Küvetten gefüllt und damit sämtliche Kühlfächer ihrer Schule belegt. Im Dezember des vergangenen Jahres fanden sie schließlich heraus, dass nicht die Urinmengen die Langzeitschäden verursachen, sondern die Zerstörung im Bereich der Vegetation die größten Schäden anrichten.

"Immer wieder hieß es, der Tiergarten leidet. Wir wollten wissen, wie sehr", sagt die angehende biologisch-technische-Assistentin Ute Trauer. Zuerst hatten die beiden Preisträgerinnen Befürworter und Gegner der Love Parade angeschrieben. Der Baustadtrat Horst Porath unterstützte die Arbeit der beiden Frauen mit 3400 Mark, vom Fritz-Haber-Institut gab es kostenlos die Küvetten. Die Vorteile ihrer Mühe liegen für Ute Trauer auf der Hand: "Wir haben Routine in biologischen Arbeitsweisen bekommen und gelernt, ein Projekt von Anfang bis zum Ende durchzuführen." Nach ihrer Ausbildung wolle sie Biochemie studieren.

Insgesamt acht Projekte in den "Jugend forscht"- Fachgebieten sowie der neu eingeführten Kategorie "interdisziplinäre Projekte" wurden in Chemnitz mit einem ersten Preis ausgezeichnet. Unter den 7000 Teilnehmern hatten sich in diesem Jahr 191 Nachwuchsforscher für das Finale qualifiziert. 28 Prozent der Teilnehmer waren Mädchen - ein Rekord in der 36-jährigen Geschichte des Wettbewerbs. Und ausgerechnet zwei Schülerinnen des nach der Physikerin Lise Meitner benannten Schule gewannen.

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