Jugendämter in Berlin : Über 8000 Verfahren wegen Kindeswohlgefährdung

Es geht um Vernachlässigung, Schläge und sexuelle Gewalt: zwölf Fälle pro Tag registrieren die Berliner Jugendämter, an denen Kinder in ihren Familien gefährdet sind.

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Wandbild in einer Berliner Kinderschutzeinrichtung.
Wandbild in einer Berliner Kinderschutzeinrichtung.Foto: Kitty Kleist-Heinrich

Im Jahr 2012 haben die Berliner Jugendämter 4404 Mal festgestellt, dass Kinder und Jugendliche in ihren Familien in Gefahr sind, sie Schlägen, Vernachlässigung oder sexuellem Missbrauch ausgesetzt sind. Das sind durchschnittlich zwölf Fälle pro Tag. Insgesamt leiteten die Jugendämter 8791 Verfahren ein, in rund der Hälfte der Fälle bestätigte sich der Verdacht nicht. Das geht aus Zahlen des Amtes für Statistik Berlin-Brandenburg hervor.

Bei über der Hälfte der Fälle ging es um Vernachlässigungen. Dazu zählt, wenn das Kind nicht ausreichend mit Nahrung oder Kleidung versorgt wird, oder wenn die Eltern sich nicht darum kümmern, ob das Kind regelmäßig zur Schule geht. Wegen Verdachts auf körperliche und psychische Misshandlungen wurde in 44 Prozent der Fälle ermittelt. Bei zwei Prozent war sexuelle Gewalt der Grund.

Die meisten Verfahren meldete Reinickendorf (1442), gefolgt von Friedrichshain-Kreuzberg (1203). Die wenigsten Fälle gab Pankow mit 225 an.

Die Jugendämter sind erst seit Januar 2012 verpflichtet, die Fälle an die Statistischen Ämter zu melden, so dass es keine Vergleichszahlen gibt. Auch der Senatsjugendverwaltung liegen keine Daten aus den Vorjahren vor, sagte ein Sprecher. „Die vielen Fälle pro Tag weisen aber darauf hin, dass das Hilfesystem dringend benötigt wird.“ Der Kinderschutz in Berlin solle weiter ausgebaut werden, insbesondere die sogenannte „aufsuchende Elternhilfe“. Ab Herbst soll es in allen Bezirken geschulte Familienhebammen geben, die werdende Mütter schon in der Schwangerschaft betreuen. Zudem sollen die Familienzentren, von denen zwei in jedem Bezirk gibt, stärker mit Kitas kooperieren. Bei der Hotline Kinderschutz, eine Telefonberatung, an die sich alle wenden können, die sich Sorgen um ein Kind machen, gibt es seit diesem Jahr neben deutsch, türkisch und arabisch auch Hilfe in russischer Sprache. (Hotline Kinderschutz: 030 - 610066, www.berliner-notdienst-kinderschutz.de)

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