Jugendarbeitslosigkeit in Berlin : Jobcenter wirbt auch in Moscheen für Ausbildung

Das Jobcenter Friedrichshain-Kreuzberg geht auch ungewöhnliche Wege, um Eltern zu überzeugen, dass ihre Kinder eine Ausbildung machen sollen. Nicht immer ist das leicht.

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Erst mal eine Ausbildung. Eine gute berufliche Qualifizierung ist wichtig für den Start ins Erwerbsleben.
Erst mal eine Ausbildung. Eine gute berufliche Qualifizierung ist wichtig für den Start ins Erwerbsleben.Foto: Thilo Rückeis

Nicht immer ist es leicht, Eltern davon zu überzeugen, dass ihre Kinder eine Ausbildung machen sollen. Viele – vor allem türkischstämmige Eltern – etwa setzten eher auf schulische Angebote der Oberstufenzentren, sagte Arbeitssenatorin Dilek Kolat (SPD) am Donnerstag bei einem Besuch des Jobcenters Friedrichshain-Kreuzberg. Ihnen müsse man die Vorteile einer dualen Ausbildung in einem Unternehmen erst einmal erklären. Und auch die Mitarbeiter des Jobcenters stoßen in machen Familien zunächst auf Vorbehalte, wenn sie Schüler der neunten Klassen das erste Mal zu Gesprächen über ihre berufliche Zukunft einladen. Die fühlten sich dann gedrängt.

Aber die Berufsberater und Vermittler beschreiten in Friedrichshain-Kreuzberg auch ungewöhnliche Wege, um für andere qualifizierte Berufswege zu werben. „Wir sind nach den Freitagsgebeten in die Moscheen gegangen, um die Eltern anzusprechen“, sagt Jobcenter-Bereichsleiterin Britta Zander. Der Erfolg sei aber leider mäßig gewesen. Die Bekämpfung der Jugendarbeitslosigkeit und die Qualifizierung von Jugendlichen und jungen Erwachsenen ist einer der wesentlichen Schwerpunkte des zwischen Senat und der Regionaldirektion für Arbeit vereinbarten Rahmenprogramms. Denn mit einer Arbeitslosenquote von 11,4 Prozent bei jungen Erwachsenen bis 25 Jahre liegt Berlin weit über dem Bundesdurchschnitt, auch wenn hier derzeit die höchsten Rückgänge zu verzeichnen sind.

In Friedrichshain-Kreuzberg, wo zwar die allgemeine Arbeitslosigkeit höher ist als in Gesamtberlin, ist man bei der Bekämpfung der Jugendarbeitslosigkeit vergleichsweise erfolgreich; die Quote liegt bei 9,4 Prozent. Dass Jugendliche überhaupt eine Lehre machen, ist das eine; das andere ist, dass zu viele sie nach kurzer Zeit abbrechen. Auch hier liegen die Berliner Zahlen weit vorne: Rund ein Drittel der Ausbildungsverträge wird vorzeitig wieder beendet. Für Kolat eindeutig ein Grund zum Gegensteuern. Sie verweist auf das Mentoringprogramm des Landes, das Jugendliche mit Schwierigkeiten in den Betrieben unterstützen soll. Nach Auffassung von Arbeitsvermittler Göksel Ülsever kommen manche Hilfen zu spät. „Da könnte man auch viel früher einsetzen – beispielsweise wenn jemand schon vorher in der Schule Probleme mit Mathematik hatte. Warum sollte es dann in der Berufsschule besser sein?“

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