Auslandsjahr in Afrika : Welche Musik hören Jugendliche in Togo?

Pao Engelbrecht (19) macht ein Freiwilliges Soziales Jahr in Togo. Die Jugendlichen hören dort modernisierte traditionelle Musik, Reggae und französische Popmusik. In Togo ist alles etwas lauter.

Pao Engelbrecht
Was aussieht wie eine HipHop-Video aus den 90ern, zeigt Jugendliche, die zu Gweta tanzen, einem togolesischen Musikstil. Foto: screenshot tsp
Was aussieht wie eine HipHop-Video aus den 90ern, zeigt Jugendliche, die zu Gweta tanzen, einem togolesischen Musikstil.Foto: screenshot tsp

Ein junger Mann betritt nervös den Raum und stellt sich vor die dreiköpfige Jury. Er beginnt zu singen und die Jury zu schmunzeln. Er ist nicht besonders gut. Die Zuschauer vor dem Fernseher schwanken  zwischen Schadenfreude und Fremdschämen.
„Island Africa Talent“ ist das afrikanische Pendant zu „Deutschland sucht den Superstar“. Das Prinzip scheint in Afrika genauso gut zu funktionieren wie in Europa. Nur die Musik ist anders.

Im ersten Moment klingen die dumpfen Bässe der elektronischen Musik nach amerikanisch–europäischem Mainstream. Beim genaueren Hinhören wird allerdings klar, dass mir nicht nur die Sprache oft vollkommen unbekannt ist, sondern auch die afrikanischen  Rhythmen ungewohnt sind. Und was für meine Ohren nach einer Art Reggae klingt, sind eigene traditionelle Genres wie Azonto oder Gweta. Die meisten DJs kommen aus Nigeria, Ghana oder von der Elfenbeinküste, wenige aus Togo selbst. Mindestens so beliebt wie die DJs ist Bob Marley.

Mir selber wird die Aussagekraft von Zeilen wie „Stolen from Africa, brought to America“ hier auf einmal sehr bewusst. Früher spielte die Musik, die in Frankreich gerade angesagt war, wohl eine große Rolle, weil traditionelle afrikanische Künstler nicht beliebt waren. Seit einiger Zeit haben sie aber mit der elektronisch bearbeiteten traditionellen Musik eine Richtung gefunden, die unter Jugendlichen gut ankommt.

Doch auch die „traditionellen“ Künstler müssen sich in Fernsehen und Internet vermarkten und produzieren deshalb regelmäßig Musikvideos. Daran wird besonders deutlich, dass die allgemein bekannten Tänze ein wichtiger Teil der traditionellen Musikstile sind. Auch wenn die teilweise festgelegten Bewegungsabläufe beeindruckend gekonnt aussehen und man schnell das Klischee bestätigt sieht, dass „die Afrikaner“ einfach alle gut tanzen können, gibt es doch auch hier mehr und weniger begabte Tänzer und Tänzerinnen.

Tanzen ist hier viel alltäglicher als in Deutschland, deshalb merkt man den meisten eine gewisse Lockerheit an, die in Deutschland eher weniger verbreitet ist. Getanzt wird nicht nur am Strand und in den Clubs, sondern auch in der Kirche, die in Togo für die  Jugend eine große Rolle spielt. Die Musik trägt ihren Teil dazu bei.

Viele Gottesdienste werden von kleinen Bands begleitet, die mit Schlagzeug, Bass, Keyboard und E-Gitarre, manchmal auch noch mit Trompete und Posaune besetzt sind. Dementsprechend laut geht es in der Kirche zu, die Gospel- oder Reggaestücke sind oft auf den Straßen zu hören. Laut. Das gilt nicht nur in der Kirche, sondern fast überall, wo Musik läuft. Musikanlage oder Fernseher, Trommel oder Mikrofon – ich habe den Eindruck, dass in Togo alles ein bisschen lauter ist.

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