Berlin Kolumne : Die "Lass mal" Generation

Mit unserer Sprache heben wir Jugendlichen uns vom Rest der Gesellschaft ab. Und was sind wir sonst so für eine Generation?

Henriette Teske

„Yo Leute, lass mal heute Abend was starten!“ „Yo, lass mal machen“. Das „Lass mal“ am Anfang unserer Aufforderungen gehört so selbstverständlich zu unserem Sprachgebrauch wie Kopfhörer auf unsere Ohren: Lass mal chillen, Lass mal zocken, Lass mal feiern, Lass mal shoppen, Lass mal zu spät kommen, Lass mal gehen lassen… Nee lass mal lassen. Aber eigentlich könnte man diese Sätze auch als Aufforderungen verstehen, etwas nicht zu tun- also etwas zu unterlassen.
Und wie ist das eigentlich, sind wir wirklich eine Generation, die nach dem „Lass mal“ noch etwas macht? Oder lassen wir lieber mal die anderen machen? Unsere Elterngeneration hätte da sicher zum großen Teil eine klare Antwort- Das ist die „Unterlass-mal“- Generation, die sich sagt: Lass mal nicht das Zimmer aufräumen, lass mal nicht für die Omi im Bus aufstehen, lass mal nicht den Müll selbst wegwerfen. Und wie schauen wir so auf den Rest der Welt, der Gesellschaft? Machen wir uns um sie genauso wenige Gedanken wie um unser Zimmer? Sicherlich sind wir eine Generation, deren Zukunftsängste nicht eben gering sind. Suggeriert wird uns: Du musst machen, sonst wird dich niemand nach oben lassen, du darfst dich nie gehen lassen, sonst kannst du hier gar nichts machen. Man bekommt aber den Eindruck, dass dies dazu führt, dass wir große Ideale doch lieber mal zu Hause lassen. Zu beschäftigt mit unserer eigenen Zukunft bleibt kein Platz mehr, nach der Zukunft unserer Politik, unserer Gesellschaft oder unseres Planeten zu fragen. Unsere Ziele: Lass mal einen sicheren Job finden, Lass mal reich werden, Lass mal ein Haus kaufen. Und nicht etwa: Lass mal nachdenken, Lass mal diskutieren, Lass mal was verändern. Das lassen wir dann lieber mal.

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