Berlinkolumne : Eimer ist immer für Sie da

Sie sind immer für uns da und wir schenken ihnen so wenig Aufmerksamkeit. Dennoch, für eine Hommage an die Berliner Mülleimer ist es nie zu spät.

Henriette Teske
Diese Eimer sind aber auch freundlich.
Diese Eimer sind aber auch freundlich.Foto: BSR

Berlin ist voll von ihnen. Sie schießen wie Pilze aus dem Alltagsgrau, sind Farbexplosionen zwischen Kippenstummeln und Kaugummiresten. Von den Sprüchen, die ihre bauchigen Körper schmücken, scheint es fast so viele zu geben, wie von den Eimern selbst. „Für die Zigarette danach“, „Was du heute kannst entsorgen“, „Stromkasten“, „Becherbutler“... Mein persönlicher Liebling: „Eimer ist immer für Sie da“. Da geht mir so richtig das Herz auf und ich weiß - selbst von aller Welt verlassen und verschluckt im Getummel der Großstadt - so ganz allein bin ich nie. Ich beginne den kleinen Freunden mehr zu vertrauen, als meinem Tagebuch. Auch sehr süß: „Bitte füttern“ - da kommt bei mir gleich so ein Streichelzoofeeling hoch und ich freue mich, dass mich da jemand braucht. Die Kleinen sind dankbar für jede Abfallaufmerksamkeit und unkomplizierter als jedes Haustier. Vielleicht könnte die BSR ja langfristig auch noch über eine Geräuschanimation nachdenken - so ein Schnurren bei jedem Einwurf würde die Entsorgungsmotivation sicher noch erhöhen. Und je mehr ich mir diese BSR-Mülleimer so anschaue, desto überzeugter bin ich, in ihnen den Jesus unter den öffentlichen Aposteln erkannt zu haben. Er ist dankbar, belehrend, verständnisvoll und hilfsbereit zugleich. Seine Worte lassen uns erkennen, dass Müllentsorgung eine gute Tat ist. Schon seine Farbe steht für Lebensbejahung und wird in der Farbtherapie zur Aktivierung der Abwehrkräfte genutzt. Sozusagen die Gute-Laune-Droge der Hauptstadt. Vielleicht sollte ich aber auch nicht so vernichtend sein? Schließlich wäre es ja auch möglich, dass diese Sprüche durchaus selbstironisch sind und das Zeitalter der humorvollen Wegwerfgesellschaft einläuten? Und natürlich bin ich einfach neidisch auf Wortspiele à la: „Danke Anke“ und „Klasse Lasse“.

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