Bierbrauen selbst gemacht : Breaking Bad und Babybrei

Ein Hamburger Start-Up verkauft Utensilien zum Bierbrauen in der heimischen Küche. Ein Versuch.

Simon Grothe
"Der Hopfen ist die Seele des Bieres"
"Der Hopfen ist die Seele des Bieres"Foto: Leander Woischnig

Ich bin 20 Jahre alt und will endlich mal etwas Richtiges machen. Mit meinen Händen. Was von Bestand. Da kommt „Besserbrauer“ gerade recht. Das Hamburger Start-Up verkauft Bierbrauboxen mit Gärballon, Malz, Hopfen, Thermometer, Hefe und Kronkorken. Die Kronkorken lösen Vorfreude aus - der Rest nicht. Sieht nach Arbeit aus. Aber dann: die Brauanleitung. Ein Assistent mit dem Namen „Bob der Braumeister“ gibt kluge Kommentare, zum Beispiel: „Der Hopfen ist die Seele des Bieres“.

Maischebrot für zwischendurch?

Der Autor als stolzer Bierbrauer.
Der Autor als stolzer Bierbrauer.Foto: Leander Woischnig

Während ich die Utensilien auf dem Tisch verteile, fühle ich mich wie Walter White aus der US-Serie „Breaking Bad“. Besonders der Gärballon passt eher ins Labor als in meine Küche. Der Hopfen riecht nach Cannabis und sieht aus wie grüne Hasenköttel. Als erstes muss ich das Malz aufkochen und so Maische produzieren. Nach einer Stunde sieht die Brühe schon wie Bier aus, nur riechen tut sie anders. Ich überlege wonach, aber es fällt mir nicht ein. Irgendwas mit Kindheit und Babybrei.

Die Maische gieße ich durch ein Nudelsieb, damit sich die Brühe vom Malz trennt. Das könnte man auch zum Brotbacken verwenden. Wer konsequent ist, kriegt aus dem halben Kilo Maische etwa zehn Brote. Wer in einer Zweier-WG wohnt und wenig Appetit hat, backt zwei und muss den Rest entsorgen.

Bob der Braumeister

Während die Maische köchelt, kommen Hopfen und Hefe dazu. Etwa die Hälfte der Flüssigkeit verdampft, in der Küche riecht es noch immer nach diesem undefinierbaren Geruch, irgendwas mit Baby. Fünf Stunden später passt alles gerade so in den Gärballon.

Der verschwindet jetzt für eine Woche unter der Spüle. Es beginnt einer schwierige Phase beim Bierbrauen: Ich habe keinen Einfluss mehr. Vielleicht war alles umsonst. Nach sieben Tagen fülle ich mein erstes selbst gebrautes Bier in die Flaschen und darf es mit den Kronkorken verschließen. Es duftet nach gegorenem Apfelsaft. Kohlensäure sei noch nicht drin, sagt Bob der Braumeister. Die entsteht mit dem beigerührten Zucker während der Flaschengärung. Hört sich nach Zauberei an.

Das fühlt sich so gut an

Die Gärung.
Die Gärung.Foto: Leander Woischnig

Vier Wochen lang steht die Kiste in einer Ecke meines Zimmers. An den Flaschenhälsen bilden sich kleine Blasen. Vier Wochen lang verkneife ich mir, wenigstens bei einer Flasche zu testen, ob es schon zischt. Dann der große Moment. Es zischt! Und schäumt! Und wie es schäumt! Eine große Pfütze breitet sich auf dem Boden aus. Aber das spielt keine Rolle mehr. Mit nassen Füßen stehe ich neben meinem Bett und führe die Flasche zum Mund.

Es schmeckt fad. Ich lächele trotzdem tapfer. Am nächsten Tag greife ich zum Sternburg und rufe beim Hersteller an. Ich solle es einfach ein paar Tage länger im Kühlschrank lagern, rät er. Und tatsächlich – drei Tage später schmeckt es wie ein Hefeweizen. Erstaunlich normal. Aber es fühlt sich so gut an.

Auf Seite zwei liest du, wer hinter "Besserbrauer" steckt.

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