Butler Apps : James?!

Von ungeliebten Aufgaben im Haushalt hat jeder mindestens eine, die er ganz besonders verabscheut – und sie lieber anderen überlässt. Zum Glück gibt’s da eine Butler-App, dachte sich unsere Autorin.

Katharina Becker
Kann ich nicht, will ich nicht - ein Butler muss her!
Kann ich nicht, will ich nicht - ein Butler muss her!Foto: Oliver Berg dpa/dpaweb

„Kannst du mir mal bitte eben meinen Fahrradreifen aufpumpen?", rufe ich durchs Haus. „Dein Ernst?“, hallt es irgendwo zurück. Alle paar Wochen kommt es deswegen zu einer Diskussion mit meinem Bruder. Oder ich werde damit aufgezogen, vielleicht nicht ganz zu Unrecht. Denn auch du wirst dich fragen, was für eine eingebildete Schnöselin ich bin. Ich kann's halt nicht, und will es vielleicht auch nicht können. Es ist ja nicht so, als hätte ich es noch nie probiert. Nur war jedes Mal der Reifen nachher noch platter als vorher.

Das Argument, wer Rad fahren will, müsse auch Reifen aufpumpen können, ist nachvollziehbar, aber reicht mir nicht, solange noch jemand in der Nähe ist, der mir helfen kann. „Was machst du denn, wenn du deinen Bruder irgendwann nicht mehr mal eben fragen kannst?", fragt mich mein Vater. Irgendwer wird sich schon finden, vielleicht ein WG-Mitbewohner oder Nachbar, notfalls würde ich den Drahtesel auch in eine Werkstatt schieben.

Ich finde, jeder Mensch sollte das Recht haben, wenigstens eine Hassaufgabe delegieren zu dürfen. Wäsche machen, spülen, bügeln – alles kein Problem für mich, nur beim Aufpumpen von Fahrradreifen geht meiner Motivation sofort die Luft aus. Es ist zum Verzweifeln.

Generation Butler

Zum Glück naht Hilfe. Durch Internetdienste wie „book a tiger" oder „helping" suchen wir uns unsere Putzfee aus, die dann, natürlich gegen Bezahlung und ganz legal, die lästige Arbeit erledigt. Bei „GoButler" können wir einen persönlichen James beauftragen, der die unterschiedlichsten Dinge für uns regelt. Egal ob es um das noch nicht gekochte Abendessen, den Flieger in den Kurzurlaub oder Mamas Geburtstagsgeschenk geht – James ist zur Stelle. Sein Dienst bleibt noch dazu so lange kostenlos, bis man ihn etwas buchen lässt. Den gebuchten Flug muss man selbstverständlich bezahlen, nicht aber James‘ Arbeit. Die Power-Butler, wie sie sich nennen, stehen mit GoButler in einem Arbeitsverhältnis. Leider gab es auf Nachfrage keine Auskunft zur Art ihrer Bezahlung.

Allzu selbstlos wird wohl niemand Dinge abnehmen, die wir eigentlich auch sehr gut selber erledigen könnten, zu denen wir aber einfach keine Lust oder Zeit haben. Nun gibt’s den persönlichen James als App, 24/7 verfügbar. Bei dem Gedanken daran fühle ich mich wie die griechische Göttin Aergia, lege die Füße hoch und denke: „Nie wieder Reifen aufpumpen, lass das ab sofort den Butler machen." In dieser Externalisierung persönlicher Probleme meint die „NEON“ bereits als Massenphänomen erkannt zu haben und titelte gar von der „Generation Butler".

Was kann ich heute für dich tun?

Wenn das also schon salonfähig ist und mir schon jemand seinen Dienst anbietet, dann kann ich diesen wohl auch in Anspruch nehmen, oder? Ich versuche deshalb den Praxistest. Bei GoButler gebe ich meine Handynummer ein und erhalte kurze Zeit später eine SMS. Darin bittet James dann um meine E-Mail-Adresse, um später Auftragsbestätigungen und Quittungen auszustellen.

Sobald ich registriert bin, geht es auch schon los: Mein James, der eigentlich Amelia heißt, fragt mich, was er heute für mich tun kann. Ich frage Amelia etwas beschämt, ob sie Fahrradreifen aufpumpen kann und kurze Zeit später schreibt sie zurück: "Ich kann versuchen, einen Service in deiner Nähe zu finden, wenn du mir deinen derzeitigen Aufenthaltsort verrätst." Ich schreibe zurück und erhalte kurze Zeit später den Namen und die genaue Adresse einer Werkstatt, die nur zwei Kilometer von meinen Aufenthaltsort entfernt liegt. Ich bedanke mich bei Amelia, ihr Service bleibt kostenlos. Sollte ich zukünftig Amelia etwas buchen lassen, bezahle ich über Braintree, einem PayPal-Unternehmen.

Faulheit vernebelt

Ich bin enttäuscht. Und ich schäme mich, schließlich hätte ich danach auch selbst im Internet suchen können, stattdessen habe ich Amelias Zeit in Anspruch genommen. Faules Ding!

Ich bin einer verheißungsvollen App aufgesessen, die mir unbegrenzte Hilfe für Alltagsbesorgungen versprach. Der Traum vom Butler weicht der Erkenntnis, dass mir eine Diskussion mit meinem Bruder mitsamt Häme nicht erspart bleibt. „James?!“

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