Friedensgedanken : Warum die Lage im Nahen Osten so verfahren ist

Krieg, Waffenstillstand - dauerhafter Frieden? Fehlanzeige. Israel und die angrenzenden Staaten stecken in einem Strudel aus Chaos und Gewalt. Ein Annäherungsversuch aus unserem neuen Jugendmagazin "Der Schreiberling".

Sieba Abadi,Simon Grothe
Ständig kommt es im Nahen Osten zu militärischen Auseinandersetzungen zwischen Israel und den Nachbarstaaten. Frieden scheint nicht in Sicht.
Ständig kommt es im Nahen Osten zu militärischen Auseinandersetzungen zwischen Israel und den Nachbarstaaten. Frieden scheint...Foto: dpa

Stell dir vor, du besitzt ein Grundstück mit einem Haus und einem Garten. Ein neuer Nachbar zieht in das Haus gegenüber. Er stellt einen Zaun auf und zwar so, dass von deinem Grundstück ein Teil fehlt. Du bist sauer und stellst ihn zur Rede. Er scheint aber wohl eine Verfügung von oberster Stelle zu haben. Diese Aktion ist also legitim, und nach einem Gerichtsverfahren stellt sich heraus: Du kannst nichts dagegen unternehmen.

Der Nachbar baut erneut einen Zaun und zwar so, dass dieser den Eingang zu deiner Tür versperrt. Erneut sprichst du ihn an, doch auch diesmal scheint er eine Verfügung zu haben, und du verlierst den Gerichtsprozess. Irgendwann klingelt der Nachbar an deiner Tür und sagt, dass er nun den unteren Teil deines Hauses bezieht, du sollst deine Frau und deine Kinder nehmen und in den oberen Teil ziehen. Er fängt an, dein Haus und deine Möbel zu zerstören und stört deinen Schlaf. Von Tag zu Tag wird es schlimmer, und du kannst nichts dagegen unternehmen. Jedes Mal, wenn du dich ans Gericht wendest, wirst du abgewiesen. Es gibt andere Nachbarn, die versuchen zu helfen, doch sie werden aufgehalten. Die Presse behauptet, du hättest angefangen und den Streit provoziert.

Stell dir vor, dein Nachbar ist Israel. Du bist Palästina. Verbrannte Kinder, vergewaltigte Frauen und niedergeprügelte Männer. Menschen aus dem Gazastreifen filmen die jetzige Lage, und stellen diese schrecklichen Bilder in soziale Netzwerke. Auslöser des diesjährigen Konflikts war der Tod von drei israelischen Talmud-Schülern, ermordet von Einzeltätern. Doch die Wut darüber wird an einem ganzen Volk ausgelassen. Auf Luftangriffe folgte der Einmarsch von Bodentruppen.

Perspektivenwechsel

Stell dir vor, du kommst eines Tages von der Schule nach Hause. Deine Eltern sind hektisch erregt und packen ihre Koffer. Dein Vater nimmt dich zur Seite und gibt dir fünf Minuten, um deine Sachen zusammen zu suchen. Als es dunkel wird, schleicht ihr aus der Stadt, versteckt euch auf einem Laster, dann auf einem Schiff. Du lässt alles zurück, deine Freunde, dein Haus, deine Heimat. Ihr müsst fliehen, denn ihr werdet verfolgt, obwohl ihr kein Verbrechen begangen habt. Deine Großeltern wurden vergast und du musst dir ein völlig neues Leben im Ausland aufbauen, ohne Besitz und ohne die Sprache zu können.

Stell dir vor, du bist Jude und musstest deine Heimat verlassen, nur wegen deiner Religion. Als die Nazis in Europa besiegt sind, schaffen die Alliierten dir und allen Juden auf der Welt ein neues Zuhause, einen eigenen Staat. Doch um dich herum lauert der Hass. In den Nachbarstaaten bist du nicht erwünscht - nicht nur du, auch deine Familie und deine Religion. Überall wird gehetzt, Raketen werden abgeschossen, und du hast Angst. Dann werden Jugendliche entführt und ermordet. Und deine Angst steigt, die Erinnerungen kommen hoch, an deine Kindheit, in der du verfolgt und deine Familie größtenteils ermordet wurde.

Im Nahen Osten prallen zwei Welten aufeinander, und keine Seite wird den Konflikt je gewinnen. Den Israelis stärken zahlreiche westliche Staaten den Rücken, viele muslimische Staaten den Palästinensern. In diesen Kriegen zerstören beide Völker vor allem eins: Ihr heiliges Land.

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