Held Vodka aus Berlin : „Die Alkopopbewegung ist lange vorbei“

Vodka riecht nach Nagellackentferner, meint eine Autorin unseres Jugendblogs. Um sich vom Gegenteil zu überzeugen, hat sie sich den Berliner "Held Vodka" angesehen und ist überrascht. Eine Liebhaberin ist sie dennoch nicht geworden.

Emilie Schmidt
Malte Schröder vom Berliner Held Vodka.
Malte Schröder vom Berliner Held Vodka.Foto: promo

Ich habe gerade den Club betreten, den ein Kumpel für seinen 18. Geburtstag gemietet hat und finde mich vor einer Reihe Shots wieder. Anscheinend sollen diese eine Begrüßung sein und einen gleich in die richtige Feierstimmung bringen. Schon bei dem Geruch kann ich nicht ganz nachvollziehen, dass jemand das nur trinkt, weil er den Geschmack mag. Aber manche mögen ja auch den Geruch von Nagellack. Ich kann allerdings nachvollziehen, dass jemand Vodka trinkt, um betrunken zu werden, und nicht zwei Biere exen will. Solange ich glücklich und zufrieden mit mir sein kann, ohne Vodka, finde ich das okay. Bei der Party hier scheint der Alkohol den hauptsächlichen Nutzen zu haben, dass die Musik nicht mehr total scheiße, sondern nur noch scheiße klingt.
Ich kann kann mir jedoch denken, dass es auch auf die Qualität von Vodka ankommt. Daher habe ich mich an die Familienproduktion Meisner gewendet, die seit 1921 den Berliner Held Vodka herstellt. Vielleicht können sie mich ja überzeugen. Held Vodka stehe für anspruchsvollen Genuss mit Stil, sagt Malte Schröder. Er ist ein Bekannter der Meisners und für das Marketing der Firma zuständig.

"Wir gehören keinem multinationalen Konzern, die Marke lebt wie eine „Indie“-Rock Band", erklärt er mir. Im Gegensatz zu großen Konzernen, würde Heldvodka nicht versuchen über einen niedrigen Preis Kunden zu gewinnen, sondern mit hoher Qualität. "Die Alkopop-Bewegung ist lange vorbei" sagt er.
Die Familie Meisner muss es schließlich wissen. Nicht viele Berliner Getränke können von sich sagen, fast 100 Jahre zu bestehen. 1921 entwickelte die Familie Meisner in Berlin die Rezeptur des Held Vodkas und braute und verkaufte ihn zunächst in Kleinstauflagen. Das „Wässerchen“, das davor hauptsächlich von Russen und Polen getrunken wurde, kam durch Flüchtlinge der Oktoberrevolution nach Berlin. Ebenso wie Drogen fand auch Alkoholika einen großen Anklang in den goldenen 20ern. Sie dienten dazu, Inspirationen zu geben, für die damals aufkommende Kunstbewegung des Dadaismus und Surrealismus. Die Menschen testen ihre neuen Freiheiten aus.
Während des zweiten Weltkrieges floh die Familie Meisner aus Berlin.

Die 1l-Flasche kostet etwa 25 Euro.
Die 1l-Flasche kostet etwa 25 Euro.Foto: promo

In Heide in Schleswig-Holstein wurde die „ Spirituosen- und Likörfabrik Robert Meisner“ neu gegründet. Seit 2005 wird der Held Vodka auch wieder in Berlin verkauft, da zwei Wahlberliner auf die Geschichte der Meisners gestoßen sind. Seither wird der Held Vodka immer noch nach seiner Orginalrezeptur, aus „Zuckerrübenmaische“ gebraut.
Malte Schröder meint, dass der Held Vodka nicht an eine Bewegung gebunden ist, wie beispielsweise die Mate-Brausen. Während die Mate versucht, sich durch verschiedene Sorten zu verbreiten, garantiert der Held Vodka seinen Kunden seine bleibende Qualität anstatt einen Superman-Vodka, Batman-Vodka oder gar einen Kick-Ass-Vodka auf den Markt zu bringen. „Neue Vodka Marken kommen und gehen aber Qualität setzt sich am Ende des Tages durch", sagt Malte Schröder.


Und auch wenn ich den Geschmack von Vodka nicht unbedingt mag, kann ich es nun nachvollziehen, dass Menschen ihn nur seines Geschmacks wegen trinken. Es mag ja auch nicht jeder Blumenkohl.

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