Hört auf zu Jammern : Weihnachten abschaffen!

Dieses "Früher war alles besser" geht einem langsam auf die Nerven. Es ist an der Zeit, mal über die Weihnachtsnörgler zu nörgeln und einen Schlussstrich zu ziehen.

Max Deibert
Früher war mehr... Foto: dpa
Früher war mehr...Foto: dpa

Jedes Jahr gibt es dieselben, meist atheistischen Nörgler, die an Weihnachten rummeckern. Das geht ungefähr so: Was man auf den deutschen Straßen im Dezember spürt, ist nicht Nächstenliebe, sondern der hasserfüllte Blick der Shoppingkonkurrenz. Die Weihnachtsmärkte sind nichts als überteuerte Rummelplätze und der Glühwein hat früher auch besser geschmeckt. Geldspenden diene nur dazu, das eigene Gewissen zu reinigen, die Kirche ist mit ihren Aussagen nicht mehr zeitgemäß und Wohltätigkeitsorganisationen stecken eh alle Einnahmen in die eigene Tasche. Die Rodelbahnen sind zu überfüllt, Plastikschlitten schlecht für die Umwelt und überhaupt ist es viel zu kalt dafür, dass so wenig Schnee liegt!

Wenn ich das so aufzähle, merke ich, dass mir diese Leute ganz schön auf die kandierten Nüsse gehen. Wie wäre es, Weihnachten einfach abzuschaffen? Bis auf ein paar brauchbare Kleinigkeiten wie Schokolade, Schnee und Frank Sinatra natürlich. Den Rest in die Tonne: Mir doch egal, ob Ochs und Esel geheult haben, als das Balg zur Welt kam! Was tun gegen den Feiertagsstress? Kauft halt keine Geschenke mehr! An Heiligabend schön zu KFC, danach drei Glühwein mit Schuss und ab ins Bettchen. Die Kinder kriegen am 23. zweihundert Euro in die Hand gedrückt und dürfen sich was Schönes aussuchen. Altmodische Eltern können alternativ ihre Kleinen in einer Filiale von Steiff oder einem Fachhandel für Holzspielzeug einsperren, bis sie ihr Geld ausgegeben haben. Atheisten haben es endlich leichter, konsequent ihren Unglauben zu praktizieren indem sie gar nichts machen. Bloß nicht spenden, das sollte man nämlich das ganze Jahr über machen, nicht nur wenn irgendein Geistlicher das verlangt!

Ich reise derzeit allein durch China. Das einzig Weihnachtliche, was ich bisher gesehen habe, war ein winkender Plastik-Santa-Claus. Hier gibt es keinen Schnee, keine Mandeln, nicht mal ein verlogenes Lächeln von Verkäufern an Adventstagen. Ich werde mir nicht das Krippenspiel, aufgeführt von unterschiedlich talentierten Konfirmanden, anschauen können und für meine Familie bin ich an Heiligabend nicht mehr als ein Pixelbrei bei Skype. Und hier, fernab der Heimat, merke ich, wie ich Weihnachten vermisse – trotz des Geheules von verwöhnten Deutschen im Feiertagsstress. Aber vielleicht gehört das mittlerweile zu Weihnachten dazu.

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