Im Kino : Riotclub - Exzess der Tradition

Der typische Männerabend beinhaltet in meiner Vorstellung Bier und Fußball und irgendetwas mit Fleisch. Wenn sich jedoch die zehn jungen Männer des „Riot Club“ zu ihrem traditionellen Dinner treffen, sieht das etwas anders aus.

Pia Reisewitz
Riotclub - Jungs, die auf Autos kotzen.
Riotclub - Jungs, die auf Autos kotzen.Foto: promo

Es sind halt nicht irgendwelche Typen - sie sind reich und studieren an der Elite Universität in Oxford. Und auch das alljährliche Dinner ist alles andere als gewöhnlich, es ist ein Exzess der Tradition. Miles (Max Irons) und Alistair (Sam Claflin) sind beide neu in Oxford und das erste Mal beim Dinner dabei. Doch dieses Jahr läuft die Stimmung im weitabgelengen Pub nicht so richtig an. Das Call-Girl will keine Blowjobs geben und auch das Menü entspricht nicht genau den Vorstellungen. Das ist für die Jungs, die erfahren müssen, dass nicht alles mit Geld zu haben ist, natürlich frustrierend. Und angeheizt durch Drogen, wird aus der Frustration schließlich Gewalt, bis alles aus dem Ruder läuft.

Lone Scherfig gibt uns mit ihrem Film einen kleinen Einblick in die Welt der „Dining Society“ und es hat definitiv etwas Faszinierendes, diesen jungen, schönen Menschen beim Eskalieren zuzusehen. Da werden aus Spaß Laptops zerstört und teure Autos vollgekotzt.

Das hat alles wenig mit unserem normalen Leben zu tun und manche Situationen sind so absurd, dass sie wieder witzig sind. Der unangenehme Gedanke, dass diese Typen später einmal hohe Ämter besetzen werden und der ganze Zirkus vielleicht gar nicht so weit von der Realität entfernt sein könnte, kommt erst gegen Ende des Films auf. 

Auf der Berlinale 2001 freute sich Lone Scherfig über einen silbernen Bären. Nun kommt ihr Film "Riotclub" in die Kinos.
Auf der Berlinale 2001 freute sich Lone Scherfig über einen silbernen Bären. Nun kommt ihr Film "Riotclub" in die Kinos.Foto: dpa

Die Regisseurin Lone Scherfig (50) kommt aus Dänemark und wurde in Deutschland durch den Film „Italienisch für Anfänger“ bekannt.

Im Film „The Riot Club“ geht es um das Leben von jungen Leuten. Ist es daher ein Film für Jugendliche?

Ich habe mir erst Gedanken wegen der Gewalt im Film gemacht, aber eure Generation hat da andere Maßstäbe, als zu meiner Zeit. Meine Tochter meinte, ich solle mir keine Gedanken machen. Generell ist es schwer, dem Film ein Genre Label zu geben. Er beginnt als Komödie, entwickelt sich dann zu etwas Düsterem und stellt Fragen. Man geht nicht aus dem Kino und die Guten haben gewonnen und die Bösen wurden bestraft. Das wäre bei dem Thema unangebracht.

Serien wie „Gossip Girl“, die sich um das Leben von reichen Jugendlichen drehen, haben viel Erfolg. Warum glaubst du, interessieren wir uns so dafür?

Diese Leute können Dinge tun, von denen wir uns nur wünschen sie tun zu können. Die Figuren im Film sind intelligent, reich und dazu wahnsinnig charmant. Wie Miles lässt man sich davon verführen und vergisst, die andere Seite der Medaille zu sehen.

Für den Film hast du dir gut aussehende, bekannte Schauspieler ausgesucht, weswegen viele junge Mädchen sich diesen Film wohl ansehen werden.

Ich habe sie mir ausgesucht, weil sie gute Schauspieler sind und nicht weil sie gut aussehen. In dem Film werden drei Mädchen mit dem „Riot Club“ konfrontiert. Und alle drei reagieren unterschiedlich, aber wenden sich letztendlich von den Typen ab, egal wie hübsch, reich und charmant sie sind. Also gibt es da schon einen moralischen Kompass. Ich wollte, dass der Film eher Fragen stellt und nicht sagt: Das ist gut und das ist schlecht.

Was würdest du sagen wenn deine Tochter zu einer weiblichen Variante des „Riot Club“ eingeladen werden würde?

Ich denke, ich würde ihr empfehlen lieber etwas beizutreten, bei dem es um etwas geht, das sie bereichert, und nicht darum, was andere Leute denken und was für Drogen sie nehmen.

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