Internate in der Provinz : Gassi gehen mit dem Hund der Schulleiterin

Internate sind elitäre Kaderschmieden, wo reiche Eltern ihre schwer erziehbaren Kinder hinschicken. So weit das Klischee. Stimmt das überhaupt? Um das zu klären, hat sich unser Autor auf ein Internat in der niedersächsischen Provinz gewagt.

Johann Stephanowitz
Auf dem großen Gelände wird auch unterrichtet, wenn das Wetter mit spielt.
Auf dem großen Gelände wird auch unterrichtet, wenn das Wetter mit spielt.Foto: Pressefoto

Mitten in der Lüneburger Heide, im kleinen Dorf Dahlem, liegt das Internat Marienau. Nach Lüneburg sind es 25 Kilometer, von dort aus braucht man eine halbe Stunde bis nach Hamburg. Hier lebt Philipp Schwarz. Und hier geht er auch zur Schule. Der 17-Jährige ist in der zwölfte Klasse des Internats. Ist das nicht sterbenslangweilig? „Bei uns in der Schule kann man eigentlich allen seinen Interessen nachgehen. Tennis, Golfen und andere Sportarten, aber auch musischen Sachen, wie zum Beispiel Gitarre spielen gibt es hier“, erzählt Philipp.

Party machen im Bunker

Und dann ist da noch der Bunker. So heißt die Disco auf dem Schulgelände. Fürs Party machen ist also halbwegs gesorgt. Doch mit einer Großstadt wie Berlin kann das natürlich nicht mithalten.

Auch sonst unterscheidet sich der Internatsalltag deutlich von dem eines normalen Schülers. Nicht nur, dass man am gleichen Ort wohnt und zur Schule geht, man lernt auch selbstständig zu sein – schließlich fahren die Schüler nur alle zwei Wochen nach Hause. „Ich muss mir selbst meine Freizeit und die andere Arbeit einteilen“ meint Philipp. „Pro Tag habe ich in der Regel acht Stunden Unterricht, und um das etwas zu straffen, gibt’s es alle zwei Wochen auch samstags Unterricht.“

Schön grün ist es schon mal. Das Internat Marienau in Dahlem.
Schön grün ist es schon mal. Das Internat Marienau in Dahlem.Foto: Pressefoto

Hier lernt Philipp, unabhängig zu sein. Er muss selber putzen, waschen und sich um die täglich anfallenden Hausarbeiten kümmern. „Mit den Leuten aus seinem Wohnbereich lebt man wie in einer WG – was später durchaus nützlich sein kann“, erzählt Philipp.

Sie haben sogar Facebook

„Ich schätze, der größte Unterschied zwischen einem Internat und einer normalen Schule ist das Verhältnis zu den Lehrern. Hier sind sie rund um die Uhr erreichbar, auch bei nichtschulischen Problemen. Es ist viel lockerer“ sagt er. Und die Schulleiterin Heike Elz erzählt, wie einmal Schüler um halb elf Uhr abends zu ihr kamen. Sie wollten Spagetti kochen und brauchten Salz. Gelegentlich führen Schüler auch ihren Hund aus.

Auch wenn Philipp nur alle zwei Wochen zu seinen Eltern in die Großstadt zurückkommt, ein Landei ist er nicht. Auch er hat ein Smartphone, Facebook und Whatsapp und weiß, was in der Welt so passiert. Und versnobt ist er auch nicht, sondern ein ganz normaler Jugendlicher.

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