Interview mit Kraftklub : „Lieber Bier als Koks“

Egal ob elendes Single-Dasein, misslungene Revolte oder ein geklautes Fahrrad- die Chemnitzer Jungs thematisieren ihre alltäglichen Probleme und bleiben sich trotz des Blitzerfolges ihres ersten Albums treu. Wir haben uns mit Leadsänger Felix unterhalten.

David Fresen, Marlene Resch
Die Jungs von Kraftklub haben die Polohemden abgelegt, nun sind sie in schwarz. So heißt auch das neue Album.
Die Jungs von Kraftklub haben die Polohemden abgelegt, nun sind sie in schwarz. So heißt auch das neue Album.Foto: promo

Weiße Polohemden, rote Hosenträger und Collegejacken - das war das markante Bühnenoutfit der deutschen Rockband „Kraftklub“. Natürlich hielten nicht nur ihrer Klamotten das Debütalbum „Mit K“ fast ein Jahr in den Albumcharts, sondern vor allem die Eingängigkeit der Musik. Nun sind die Jungs zurück - in schwarz. Sowohl was ihre Kleidung angeht, als den Titel des neuen Albums.
In eine Schublade lassen sie sich nicht stecken. Den Hipster-Vorwürfen traten sie in „Mit K“ mit ihrem Song „Ich will nicht nach Berlin“ entgegen, in dem sie die Indieszene parodieren. Diejenigen, die sich jetzt beschweren, Kraftklub sei zu „Mainstream“, sollen sich mal das Lied „Unsere Fans“ anhören. „Unsere Fans haben sich verändert, unsere Fans haben sich verkauft“, singen sie darin, und drehen den Spieß so um. Kraftklubs Identität definiert sich seither durch ihre Herkunft aus Chemnitz, „der Stadt, die immer schläft,  (...) in der bis auf die ganzen Menschen nichts geht“ und durch das selbstgewählte Verliererimage, das sich auch trotz der Erfolgsgeschichte noch durch das zweite Album zieht.

Selbstfindung, Minderwertigkeitskomplexe, Einsamkeit und Melancholie geben den Titeln genau die Note an Orientierungslosigkeit, die der Generation der fünf Musiker zugeschrieben wird. „In Schwarz“ befindet sich bereits auf Platz 1 der Albumcharts. Musikalisch hat sich nicht viel verändert, die Verbindung aus Punkrock und Sprechgesang funktioniert immernoch.

Die Chance abzurocken, bekamen seit Mitte September die Fans in diversen Städten. Kraftklub startete die "Konvoi in Schwarz"-Tour, bei der Kraftklub in sieben Städten kostenlose Konzerte gab. Die offizielle „In-Schwarz-Tour“ beginnt im Februar 2015.

Die Zielgruppe bleibt jung, sicher auch dank Texten „Wenn trinken keine Lösung ist, hab ich auch kein Problem.“ In dem neuen Album rechnen sie mit einigem ab: Der koksende Promi-Szene, den türsteherbreiten Möchtegern-Gangs, die nur „darauf achten hart auszusehen“ und den RTL-Besessenen, die sich bei „Revolution oder Berlin Tag oder Nacht?“ für letzteres entscheiden. So werden Kraftklub mit „In Schwarz“ ihrem Anspruch gerecht: Sie zeigen,„dass wir nicht so eine Band sind, bei der man nach einem Durchlauf hört, dass da zwei, drei Hits sind, und der Rest Füllmaterial ist."

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben