J7-Gipfel in Berlin : „Wir glauben, dass junge Menschen die Welt zu verändern können“

Beim Jugendgipfel J7 diskutierten Jugendliche aus 19 Ländern, wie man die Welt verbessern kann. Ihre Ergebnisse stellten sie am Ende Angela Merkel vor. Aber warum?

David Fresen, 17
Teilnehmer der J7-Konferenz mit Regierungssprecher Steffen Seibert.
Teilnehmer der J7-Konferenz mit Regierungssprecher Steffen Seibert.Foto: David Ausserhofer

Mitreden können und mitbestimmen dürfen, das wünscht sich jeder Jugendliche. Mal mit Erwachsenen auf Augenhöhe diskutieren oder selber festlegen, wie lange man an der Konsole sitzt. 54 Jugendliche aus 19 Ländern durften erfahren, wie sich das auch in größerem Rahmen anfühlt. Beim internationalen Jugendgipfel J7 diskutierten sie die Themen des G7 Gipfels und formulierten gemeinsam Lösungsvorschläge, die am vergangenen Montag der Bundeskanzlerin Angela Merkel vorgelegt wurden. Mit dabei war auch die Bundesministerin für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, Manuela Schwesig, die sagte: "Wenn wir es erst gar nicht probieren, dass Jugendliche sich beteiligen, dann würde gar nichts passieren." Es sei an der Zeit, Politik gemeinsam mit Kindern und Jugendlichen zu machen und nicht über deren Köpfe hinweg.

Immerhin geht es ja vor allem unsere Zukunft. Die Kernthemen des J7 waren der Schutz der Umwelt, der Kampf gegen Krankheiten, die Gleichberechtigung von Frauen und Männern und Maßnahmen für eine gerechtere Wirtschaft sowie die Bekämpfung von Armut. Alles Themen, die in der Zukunft noch mehr Problem bereiten werden, wenn man sie nicht schon frühzeitig thematisiert - und handelt.

Ein Astronaut als Botschafter

"Wir glauben, dass junge Menschen die Welt verändern können", sagt Sang Jin Kim (17) aus Kassel, Mitglied des deutschen J7-Teams. Der erste Schritt ist getan: Der Kanzlerin wurden die Ergebnisse jeder Gruppe präsentiert. Jetzt hoffen sie, dass diese auch durch Angela Merkel an die anderen Teilnehmer der G7 Konferenz, die am 7. und 8. Juni in Bayern stattfindet, herangetragen wird.

Die Jugendlichen sind zuversichtlich: "Wir haben die Fähigkeit, mehr Gerechtigkeit und Gleichheit für alle zu schaffen“, sagt die 18-jährige Renee aus Kanada und Lilian Genzel (16) aus Rathenow fügt hinzu: "Ich denke, dass wir auf jeden Fall ernst genommen werden".

Am Ende übereichten die Jugendlichen ihre Ergebnisse der Bundeskanzlerin.
Am Ende übereichten die Jugendlichen ihre Ergebnisse der Bundeskanzlerin.Foto: dpa

Beim Treffen mit Angela Merkel hatten die Jugendlichen nur sehr wenig Zeit, um ihre gesammelten Ergebnisse vorzustellen. Denn das waren ganz schön viele. Manche arbeiteten bis tief in die Nacht, um ihre Papiere fertig zu stellen. Zum Auflockern gab es am Anfang Teambuilding-Spiele, später auch die Möglichkeit Sport zu treiben und über die Tage verteilt wurden auch eine Radtour, ein Grillabend und ein Konzertbesuch bei den Berliner Philharmonikern angeboten.

Obwohl der Jugendgipfel eigentlich das Pendant zum G7 Gipfel darstellt, sind nicht nur Jugendliche aus G7-Ländern vertreten. Auch Jugendliche aus anderen EU-Mitgliedsländer, zum Beispiel Finnland oder Irland, waren dabei, wenn auch nicht so zahlreich wie die der G7-Staaten. Außerdem gab es noch Jugendliche, die die Perspektive der Entwicklungsländer einbrachten (zum Beispiel aus der Dominikanischen Republik oder Südafrika). "Perspektivwechsel“, dieses Stichwort brachte auch Astronaut Alexander Gerst ein, der als UNICEF-Botschafter vor Ort war.

Lilian Genzel ist 16 und kommt aus Rathenow

Lilian Genzel (16) aus Rathenow hat auf dem J7-Gipfel mit Jugendlichen aus 19 Ländern diskutiert.
Lilian Genzel (16) aus Rathenow hat auf dem J7-Gipfel mit Jugendlichen aus 19 Ländern diskutiert.Foto: UNICEF/Müller

Wie zufrieden bist du mit den bisherigen Ergebnissen?

„Absolut zufrieden, sowohl inhaltlich als auch in dem Bereich neue Freunde zu finden.“

Mit welchen Jugendlichen aus welchen Ländern hast du dich bisher am intensivsten ausgetauscht?

„Kanada, Irland, Finnland und den USA“

Wie war die Stimmung?

„Ich finde, es ist ein richtig interessanter Aspekt, dass auch Teilnehmer aus Entwicklungsländern dabei sind. Die bringen einfach eine neue Perspektive mit. Es gab natürlich schon eine paar Meinungsverschiedenheiten, aber keine ernsthaften persönlichen Streitigkeiten.“

Erzähl doch mal von deiner Arbeitsgruppe.

„Also in meiner Gruppe haben wir das Oberthema „Empowerment of women“, also Stärkung der Frauen und ich muss sagen, ich habe mich vorher nicht richtig mit dem Thema beschäftigt, weil ich zuhause niemanden habe, mit dem ich mich über Feminismus richtig austauschen kann, aber jetzt hat es schon irgendwie eine Leidenschaft in mir erweckt.“

Bestand denn die Gruppe ausschließlich aus Mädchen?

„Leider waren es nur weibliche Teilnehmer, es haben sich keine Jungs für dieses Thema angemeldet.“

Findest du, dass diese wenigen Tage ausgereicht haben?

„Natürlich kann man da auch wochen- oder monatelang darüber diskutieren, aber das Programm hier ist schon ganz schön intensiv.“

Was war eigentlich deine Motivation dich hierfür zu bewerben?

„Meine Mutter hat den Aufruf von Alexander Gerst auf Facebook gesehen und mich dann überzeugt. Meine Motivation war die Möglichkeit, wirklich etwas verändern zu können.

Und auch weil das auf dem Lebenslauf gut aussieht?

„Ich werde nicht lügen, also ja.“ (lacht)

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