Jazztreff Berlin : „Die Freiheit des Jazz sollte genutzt werden“

Am kommenden Wochenende kommen in der ufaFabrik junge Jazzmusiker zusammen. Beim 29. Jazztreff findet auch der Landeswettbewerb "Jugend jazzt" statt. Wir haben uns im Vorfeld von einigen Teilnehmern erklären lassen, warum sie sich für diese Musikrichtung begeistern. Teil 3 - Sidney Werner.

Simon Grothe
Sidney Werner (21) spielt mit seiner Band "Organismus" beim Jazztreff in der ufaFabrik.
Sidney Werner (21) spielt mit seiner Band "Organismus" beim Jazztreff in der ufaFabrik.Foto: sgr

„Ich bin groß und habe lange Haare“, sagte Sidney Werner am Telefon. „Wir werden uns schon finden“. Auf den Stufen zur Apostel-Paulus-Kirche in Schöneberg sitzt ein hagerer Typ neben seinem Fahrrad. Aufgrund seiner langen Haare muss man eher an einen Rockmusiker denken. Trotzdem kann man ihn sich gut in einem Jazzclub hinter seinem Kontrabass vorstellen. Er ist wirklich groß. Am kommenden Wochenende wird er mit seiner Band „Organismus“ am Wettbewerb des Jazztreffs in der ufaFabrik teilnehmen. „Möchtest du lieber sitzen oder guten Kaffee trinken?“, fragt er. Ich entscheide mich für den Kaffee. Wir gehen zum „Double Eye“ in der Akazienstraße und reden über Jazz.

Gute Musiker und gute Probenräume - die seien ihm besonders wichtig, sagt er. Im kommenden Semester beginnt der 21-jährige Bassist sein Studium am Jazz Institut Berlin. „Einen Masterplan für danach habe ich noch nicht“, sagt er, „Aber mit der Musik will ich schon mein Geld verdienen“. Berlin, der Jazzstandort. Viele Sessions, viele Musiker. Nur bezahlt werde selten gut. „In der Regel spielen wir auf Hut“, sagt er und lächelt.

Mit zwölf griff er zum ersten Mal zum Bass. Er sei ein großer Fan der britischen Band „Gorillaz“ gewesen. Der Basslauf in „Feel good Inc.“ gefiel ihm so gut, dass er ihn nachspielte. Dann kamen Songs der Red Hot Chili Peppers dazu. Sidney spielte ohne Lehrer, brachte sich die Songs selbst bei. Erst mit 17 Jahren nahm er zum ersten Mal Unterricht. Was seine älteste Leidenschaft sei, der Kontrabass oder das Interesse am Jazz, kann er im Nachhinein nicht mehr sagen: „Beides ging Hand in Hand.“

Wenn er nicht am Kontrabass zupft, liest er viel. „Walter Moers, Hesse, Kafka, lauter so scheiß.“ Sonst zählt nur die Musik. Neben Jazz auch gerne Funk. Am liebsten tanzt er zu Goa-Musik.

„Es dauert schon ein bisschen, bis man einen Zugang zum Jazz findet“, sagt er. „Das ist eigentlich nichts für nebenbei.“ Man müsse sich darauf einlassen. Das solle aber nicht heißen, dass man die Theorie hinter dem Gespielten, die Melodien und Skalen verstehen muss.

„Es ist auch Bauchmusik“, sagt er. Wenn er zum Beispiel ein Solo spielt, überlege er sich höchstens den Einstieg, der Rest komme, wenn man sich wirklich in die Musik fallen lässt.

Ich erzähle ihm davon, dass ich im Charlottenburger Jazzclub „A-Trane“ einen Stepptänzer gesehen habe, der permanent die anderen Musiker während der Jamsession übertönte. Sidney findet das nicht schlimm. „Die Freiheit des Jazz sollte auch genutzt werden. Wenn das nicht alle gut finden, dann ist das eben so.“

Eine leichte Brise weht durch die Akazienstraße, der Espresso Macchiato ist ausgeschlürft. Sidney Werner schwingt sich auf sein Fahrrad und radelt davon. Man sieht sich in der ufaFabrik.

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