Jazztreff Berlin : "Freiheit und Universalität machen Jazz aus"

Am kommenden Wochenende findet in der ufaFabrik in Tempelhof der 29. Jazztreff statt. Der Berliner Saxophonist Christof Griese hat uns erzählt, warum Jazz bei Jugendlichen wieder im Trend ist und warum das auch gut so ist.

Johann Stephanowitz
Der Musikschullehrer freut sich besonders darüber, dass Kinder sich beim Improvisieren frei fühlen.
Der Musikschullehrer freut sich besonders darüber, dass Kinder sich beim Improvisieren frei fühlen.Foto: Johann Stephanowitz

Christof Griese (56) ist Saxophonist. Er steht mit dem Berliner Saxophonquartett oder dem Tuba Vibes Projekt auf der Bühne. Nebenbei bringt er Jugendlichen Jazz bei. Als Leiter des Fachbereichs „Jazz & Perkussion“ der Musikschule City-West gründete er vor 25 Jahren JayJayBeCe, die Jugend Jazz Band Charlottenburg, mit der er Stücke von Berliner Jazzmusikern spielt.

Wie kam es denn 1987 dazu, JayJayBeCe zu gründen?
Wir haben so viele gute Jazzkomponistinnen und Komponisten in Berlin. Ich habe mich gefragt: Warum spielen wir nicht nur exklusiv Berliner Kompositionen? Mit diesem Ziel habe ich daraufhin die Jugendjazzband Charlottenburg gegründet. Ein halbes Jahr später wurde meine Bigband für den europäischen Bigband-Wettbewerb ausgewählt und hat auf Anhieb den 3. Platz belegt.

Warum beschäftigst du dich mit Kinder- und Jugendarbeit im Jazz?
Ich bin in einem kleinen Kaff in Westfalen groß geworden, 25 000 Einwohner. Ich komme aus einer Lehrerfamilie, dadurch war klar, ich werde ein Instrument lernen. Zuerst Klavier, und dann Querflöte. Mit der Querflöte kam ich in die Bigband und habe dort die Saxophone gesehen. Das wollte ich unbedingt lernen. Mit mir wurde damals musikpädagogisch so positiv gearbeitet, dass ich heute auch gerne etwas zurückgebe.

Wie sieht das dann aus?
Bei uns kann man bereits im Alter von sechs Jahren Jazz lernen. Nach einem halben Jahr fangen wir dann schon mit Improvisation an. Nach anfänglichen Hemmungen merken die Kinder, dass Improvisieren viel Spaß machen kann. Sie sind ja noch viel verspielter und die finden toll, dass sie jetzt nicht das spielen müssen, was auf dem Blatt steht, sondern einfach was ihnen durch den Kopf geht. Und dazu brauchen Sie Material – Skalen und Harmonien, Rhythmen – mit denen sie sich beschäftigen. Diese andere Art zu lernen, kreativ umzusetzen, begreifen und die Phantasie spielen lassen.

Wie kommt das bei den Kindern an?
Die Kinder kommen ja erst mal zu mir, um ein Instrument zu lernen. Ich biete denen dann auch Jazz an. Wenn die erst mal merken, wie viel Freude Improvisieren bereitet, wollen die gar nicht mehr aufhören.

Aber warum sollten denn Jugendliche eigentlich Jazz spielen?
Das tolle am Jazz ist, dass er auch eine internationale musikalische Sprache ist: Wohin ich reise - ob nach Afrika, nach Asien oder Südamerika – überall finde ich Musiker mit denen ich diese Musik spielen kann. Freiheit und Universalität machen den Jazz aus.

Das klingt ja sehr nach Multikulti …
Der Jazz hat „Multikulti“ erfunden, bevor es das Wort überhaupt gab - er ist Multikulti! Denn er ist aus ganz unterschiedlichen Einflüssen entstanden. Während die Politik und die Gesellschaft eigentlich noch die ganze Zeit darüber nachdenkt, was Multikulti ist, praktizieren wir Jazzmusiker das schon immer – und zwar friedlich...

Wie glaubst du, kannst du noch mehr Jugendliche für den Jazz begeistern?
Wir können von der Musikschule einmal im Monat in der Kunstfabrik SCHLOT unsere Arbeit präsentieren: Da spielen erst Kinderbands, dann Jugendliche, die sich auf ein Jazzstudium vorbereiten und zum Abschluss noch die Dozenten. Ich glaube, dass da irgendwo im Publikum immer ein Kind oder ein Jugendlicher sitzt, der dann denkt: „Wow, dass was die machen ist richtig geil, dass will ich auch machen.“

Das ist ein Beitrag unseres neuen Jugendmagazins "Schreiberling". Lust auf mehr? Werdet unsere Freunde auf www.facebook.de/Schreiberlingberlin

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