Jazztreff Berlin : Wie das Komplizierte fasziniert

Am kommenden Wochenende kommen in der ufaFabrik junge Jazzmusiker zusammen. Beim 29. Jazztreff findet auch der Landeswettbewerb "Jugend jazzt" statt. Ist das noch zeitgemäß?

Helene Köhler
Niko Zeidler (18) spielt Saxophon in verschiedenen Bands.
Niko Zeidler (18) spielt Saxophon in verschiedenen Bands.Foto: privat

Es gibt einen sehr kurzen Witz: „Gehen zwei Jazzmusiker an einer Kneipe vorbei.“ Das Stereotyp: Kein Jazzer geht an einer Kneipe vorbei. Sie sind deprimiert. Sie müssen sich betrinken. „Jazz ist eine internationale musikalische Sprache“, widerspricht der Saxophonlehrer Christof Griese (56). „Ganz egal ob in Afrika, Asien oder Südamerika – überall finde ich Leute, mit denen ich diese Musik spielen kann“.
Am kommenden Wochenende findet der 29. Jazztreff auf dem Gelände der ufaFabrik statt, und jeder hat die Möglichkeit, sich selbst davon zu überzeugen, dass sich dieser Musikstil nicht in eine Schublade pressen lässt. Standarts gemischt mit Eigenkompositionen der Teilnehmer. Neben den jungen Jazzmusikern werden auch ein paar Special Guests, wie Nikolaus Neuser, der auch schon mit Seeed auftrat, oder Ulf Drechsel, der im Kulturradio Jazzklänge verbreitet, dabei sein.
Der Nachwuchs hat durch das Auftreten Aussicht auf diverse Förderpreise, zum Beispiel auf eine Aufnahmesession in einem professionellen Studio. Gleichzeitig findet der Landeswettbewerb von „Jugend jazzt“ statt, der dieses Jahr die Kategorie Jazzcombo wertet. Einer der Teilnehmer ist der Berliner Niko Zeidler (18). Er spielt ebenfalls Saxophon, sieht völlig anders aus als Griese. "Fett, chillig und nice", in beinahe jedem Satz findet sich eins dieser Worte. Trotzdem ist er genauso vom Jazz begeistert, wie der knapp 30 Jahre ältere Lehrer. Er freue sich besonders auf die vielen Gigs, die er spielen, und die neuen Musiker, die er kennenlernen wird. „Wenn der Schlagzeuger auf's Right Becken geht, der Bass anfängt zu walken und es groovt, dann ist einfach richtig viel Energie vorhanden, dann ist es richtig tight, das Geilste was es gibt!“ sagt er.


Das ufaGelände scheint dafür ein perfekt gewählter Ort zu sein: Weitläufig und grün wie es ist, bietet es einen großen Raum für kreativen Austausch. Das Alter, die Ansichten, die Herkunft der Teilnehmer spielen hier keine Rolle, denn es geht einzig und allein um die Gemeinsamkeit: Musik!
„Während Politik und Gesellschaft die ganze Zeit darüber nachdenken, was ‚Multikulti‘ ist, praktizieren wir Jazzmusiker das schon immer – und zwar friedlich“, sagt Christof Griese. Kompliziert ist die Musik natürlich trotzdem, aber genau dieser Herausforderung stellen sich am Wochenende ja so viele junge Musiker, um uns zu zeigen, wie gut eben jenes Komplizierte funktionieren und faszinieren kann.

Wo? ufaFabrik, Viktoriastraße 10-18, Tempelhof
Wann? 11. und 12. Oktober
Wieviel? 7, erm. 5 Euro

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