Kolumne : Macht die Bundesliga noch Sinn?

In den vergangenen Wochen schrumpften die Aussichten auf eine wirklich spannende Meisterschaft in der Bundesliga. Jetzt ist Bayern vorzeitig Herbstmeister und unser Kolumnist überlegt die Liga zu wechseln.

David Fresen
Bayern war immer schon eine gute Mannschaft. Seit Pep Guardiola die Münchener trainiert, wirken sie unbezwingbar.
Bayern war immer schon eine gute Mannschaft. Seit Pep Guardiola die Münchener trainiert, wirken sie unbezwingbar.Foto: dpa

Am Samstag um kurz nach fünf kommt die Eilmeldung: Bayern ist Herbstmeister. Und ich so: Yay. Wer hätte das gedacht. Gleich vorne weg: Ein Bayern-Fan werde ich zeitlebens nicht mehr. Deswegen war ich bei der Nachricht auch nicht wirklich begeistert. Im Gegenteil, ich war regelrecht wütend. Aber nicht unbedingt, weil Bayern die Herbstmeisterschaft gewonnen hat, sondern weil ich eigentlich keine Eilmeldung gebraucht hätte – es war ja schon die ganze Saison lang abzusehen. Ich muss mich korrigieren, es war abzusehen, seit im letzten Jahr Pep Guardiola Trainer geworden ist.

Die Lücke ist zu groß

Was soll man einer Mannschaft entgegensetzen, die auf jeder Position doppelt besetzt ist, die nur aus deutschen Weltmeistern, ausländischen Weltklassespielern und hoffnungsvollen Talenten besteht und dann einen der besten Taktik-Coaches der Welt bekommt?

Das dachten sich am Samstagabend wohl auch die Augsburger. 90 Minuten hatten sie gekämpft, sich die Füße wund gelaufen und alles in allem eine annehmbare Leistung geboten – und trotzdem verloren sie mit 0:4. Obwohl der Sieg um mindestens ein Tor zu hoch ausfiel, zeigt er doch, was für eine Lücke zwischen Bayern München und dem Rest der Liga klafft.

Die Augsburger machten den Bayern in der ersten Hälfte sogar noch zu schaffen, indem sie irgendwie immer doch noch einen Fuß dazwischen bekamen und durch ein engagiertes Pressing verhinderten, dass die Bayern sich vollends entfalten konnten. Im Endeffekt brachte es nichts. In der zweiten Halbzeit schoss Bayern innerhalb einer knappen Viertelstunde vier Tore, mit einer Mischung aus Glück (Benatia), individueller Qualität (zweimal Robben) und Willen (Lewandowski). Eine normale Mannschaft hat höchstens zwei von drei dieser Eigenschaften. Aber Bayern ist eben keine normale Mannschaft.

Nun werden sich manche denken: Was regt er sich denn da so auf, es ist doch nur Augsburg. Gegen die Topmannschaften sieht das doch bestimmt ganz anders aus. Problem dabei: Augsburg ist, zumindest wenn man nach dem Tabellenplatz geht, eine Topmannschaft.

Leider kann Bayern kein Bayernjäger sein

Die Bundesliga wird in den vergangenen Jahren oft als „die beste Liga der Welt“ bezeichnet. Doch kann man das wirklich sagen, wenn es solch riesige Qualitätsunterschiede zwischen den Mannschaften gibt?

Das beste Beispiel dafür ist das Wort „Bayernjäger“. Wenn es eine Mannschaft gibt, die über Jahrzehnte so einen Begriff geprägt hat, spricht das nicht gerade für ein Gleichgewicht. In Spanien gibt es wenigstens noch die großen Drei – Barcelona, Real und Atlético Madrid – und in der Premier League streiten sich mindestens fünf Top-Teams um den Titel. Und bei uns? Hier ist der Vizemeistertitel alles, was es zu holen gibt.

Im Moment sind der Vfl Wolfsburg, Bayer Leverkusen und Borussia Mönchengladbach die heißesten Favoriten auf den wahrscheinlich einzigen Titel, den sie gewinnen können, solange Bayern in der Bundesliga spielt, einfach aus dem Grund, weil Bayern kein Bayernjäger sein kann.


Und da stellt sich für mich die Frage: Macht das Ganze noch einen Sinn? Die Liga ist doch als ein Wettbewerb konstruiert. Es heißt ja nicht umsonst „Meisterschaft“. Wenn jetzt aber ein Team jedes Jahr mit ziemlicher Sicherheit Meister wird, wo liegt dann noch der Sinn, dass 17 weitere Teams in der Liga spielen? Im Endeffekt sind sie oft nur bessere Trainingspartner für die Bayern.

Vielleicht sollte man sich einer anderen Liga widmen

Die meisten Heldengeschichten handeln von einem Underdog, der gegen den favorisierten Gegner schlussendlich gewinnt. Nun muss man sich aber vorstellen, dass David auf einmal keine Kieselsteine zur Verfügung hat, um auf Goliath zu schießen, sondern nur noch, sagen wir Weizenkörner. Das Resultat ist nicht jugendfrei.

Solange sich aber kein Underdog gegen Bayern behaupten kann und die Münchner ungeschlagen sind, verliert die Bundesliga langsam ihren Reiz. Sicher, wir können uns jeden Samstag auf schönen Fußball freuen. Weil aber praktisch kein Wettkampf mehr herrscht, könnte man sich genauso gut das zweite Herren Spiel des KSV Baunatal aus der Hessenliga angucken. Manchmal muss ich ernsthaft überlegen, was mehr Relevanz hat. SCHALLALALALA KSV

Dies war ein Beitrag unseres neuen Jugendmagazins "Schreiberling". Lust auf mehr? Werdet unsere Freunde auf www.facebook.de/Schreiberlingberlin oder folgt uns auf www.twitter.com/schreiberling_. Fanpost und Kritik an schreiberling@tagesspiegel.de

2 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben