Meine Zeit in Nepal : Und jetzt ist alles zerstört

Nach dem Erdbeben ist die Zerstörung in Nepal enorm. Hanna Janatka hat nach ihrem Abitur ein halbes Jahr dort gelebt und berichtet davon auf unserem Jugendblog.

Hanna Janatka, 21
In Nepal erschüttern auch nach dem großen Erdbeben vom 25. Mai einige Nachbeben die Region.
In Nepal erschüttern auch nach dem großen Erdbeben vom 25. Mai einige Nachbeben die Region.Foto: dpa

Die Nachricht verbreitet sich in Windeseile, eine einzige Bilderflut in Zeitungen, auf Blogs, auf Facebook und Twitter, und stündlich steigt die Zahl der Opfer. Wen hat es alles getroffen? Wen werde ich nie wieder sehen? Ich wage nicht daran zu denken, welches Ausmaß die Katastrophe bereits angenommen hat. Plötzlich bin ich wieder mitten drin. Erinnerungen kommen auf, von damals, als mein kleines Märchen seinen Anfang nahm.

Meine Reise nach Nepal begann vor etwa zwei Jahren. Im Sommer nach meinem Abitur flog ich nach Kathmandu, der Hauptstadt des Landes der weißen Gipfel und tiefen Schluchten, des Landes der Sehnsucht.

Glühende Hitze weht mir entgegen, als mich Poroshottam, ein Mitarbeiter des deutsch-nepalesichen Projekts „One World-alc“, am Flughafen empfängt. Der Weg zum Büro der Organisation führt über verstaubte Straßen, vorbei an schlafenden Kühen, direkt in das buddhistische Viertel Boudanath. Die ersten Tage sind mit Strapazen verbunden. Mit Händen und Füßen versuche ich mich zu verständigen, und mir nebenbei möglichst viel Nepali zu merken. Mein neues Arbeitsumfeld: Eine Farm in der Ghorka-Region, direkt am Marshangdi-Fluss. Jeden Morgen jäte ich Unkraut, säe und pflüge. Ich stoße an meine körperlichen Grenzen, doch die Farmarbeiter fangen mich auf. Sie laden mich in ihre bescheidenen Behausungen ein, erklären mir in gebrochenem Englisch wie sie Chapati zubereiteten und singen Lieder aus einer anderen Zeit.

Unsere Autorin Hanna Janatka (21) in Nepal.
Unsere Autorin Hanna Janatka (21) in Nepal.Foto: privat

Der Gedanke, biodynamische Landwirtschaft in Nepal zu verbreiten, kam dem studierten Demeter-Agronom Peter Effenberger Mitte der 90er Jahre auf einer seiner Nepal-Reisen. Gemeinsam mit dem nepalesischen Entwicklungsexperten Shyam Hada rief er das Projekt "OneWorld – a learning center" ins Leben. „Hilfe durch Selbsthilfe“ könnte das Motto lauten. Die Idee: Konventionelle Landwirtschaft mit Pestiziden und Chemikalien durch eine alternative Form mit biodynamischen Präparaten zu ersetzen.

Jetzt bin ich wieder zurück in Deutschland und studiere Medizin in Göttingen. Wut erfüllt mich, wenn ich daran denke, dass diese liebevollen Menschen, die jeden einzelnen Tag zu schätzen wissen, durch das Erdbeben so viel Leid erfahren müssen. Der Chepang, ein alter Nomadenstamm, der lange Zeit vom Aussterben bedroht war, hat fast alles verloren. Überall Schutt und Asche, kaum Trinkwasser oder medizinische Versorgung.

Hanna Janatka (21) studiert Medizin in Götingen. Von August bis Dezember 2013 war sie Praktikantin bei „One World“. Der Betrieb liegt nordwestlich von Kathmandu, in der Ghorka-Region, mitten im Epizentrum der Erdbebenkatastrophe, die Nepal am 25. April heimgesuchte. Von den Farmarbeitern, die in verstreuten Dörfern leben, haben nach aktuellen Informationen der Organisation alle überlebt, jedoch sind zahlreiche Häuser eingestürzt oder unbewohnbar. Für Spendenwillige hat Hanna Janatka ein Konto eingerichtet. Das Geld leitet sie an das deutsch-nepalesische Projekt "One-World" weiter.

Hanna Janatka

IBAN: DE 02100 100 100 626 378 113

BIC: PBNKDEFF

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