Neuseeland : "Du bist Deutsche - hörst du Rammstein?"

In unserer Serie „Weit weit weg“ berichten junge BerlinerInnen einmal im Monat von ihren Auslandsjahren. Ida Lieback ist von Wilmersdorf nach Dunedin, Neuseeland gereist und geht dort ein Jahr zur Schule. Heute zum Thema Klischees.

Ida Lieback
Von Wilmersdorf nach Dunedin. Ida Lieback schreibt einmal im Monat aus Neuseeland.
Von Wilmersdorf nach Dunedin. Ida Lieback schreibt einmal im Monat aus Neuseeland.Foto: privat

Schafe. Überall Schafe. So kam es mir vor, als ich von meiner Gastfamilie am Flughafen abgeholt wurde und wir auf dem Weg zu meinem neuen Zuhause waren. Dank dieses Klischees von Neuseeland, dem Land der Schafe, habe ich wahrscheinlich auf jedes einzelne Schaf im Umkreis Dunedins gedeutet, was mein Gastvater immer wieder mit einem amüsierten, aber verwirrten Lächeln kommentierte. Eigentlich waren es gar nicht so viele, sie sind mir nur aufgefallen, eben weil ich genau darauf geachtet habe.

Generell treffen einige Dinge, die ich über Neuseeland gehört habe, nicht zu. Zum Beispiel, dass Neuseeländer immer (oder zumindest übermäßig viel) lächeln. Schön wär’s. Die Menschen hier lächeln ungefähr genauso viel wie in Deutschland, was mich zugegebener Maßen ein wenig enttäuschte.

Aber was denken Neuseeländer über Deutsche? Nun, ich muss sagen, seit ich hier bin, habe ich eine bessere Meinung von Deutschland. Früher wollte ich immer woanders leben, in einem englischsprachigen Land aufwachsen, am besten in L.A., um dann ein Superstar werden. Aber jetzt in Neuseeland merke ich erst, wie glücklich ich mich schätzen kann. Einige Neuseelände beneiden mich darum, in Deutschland aufgewachsen zu sein. Nicht nur, weil man die Welt von dort viel besser bereisen kann, sondern auch wegen der Sprache. Die soll erstens „schön“ sein (das habe ich noch nie über die deutsche Sprache gehört) und man kann angeblich die meisten anderen Sprachen einfacher lernen, wie zum Beispiel Englisch.

Häufig werde ich gefragt, ob ich Rammstein höre. Ich antworte ausnahmslos mit „Nein“, sodass meist ein erleichtertes „good“ zurückkommt. Ein anderes Thema, das die Neuseeländer zu beschäftigen scheint, ist, ob man uns im deutschen Geschichtsunterricht beibringt, dass Hitler einer von den Guten gewesen wäre. Ich durfte mir schon den einen oder anderen Hitlerwitz anhören und muss sagen, dass manche echt über die Stränge schlagen: Gefragt zu werden, ob ich gerne Juden jage, verletzt mich, egal ob es als Scherz gemeint ist oder nicht. Sowas finde ich einfach nicht witzig. Aber die Neuseeländer, zumindest die Jugendlichen, nehmen das alles nicht ganz so ernst wie wir, was auch verständlich ist. Betrifft uns Deutsche eben mehr.
(Idas ersten Bericht könnt ihr hier noch mal nachlesen.)

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