No-Shave-November : Macht mich mein Bart zum Staatsfeind?

In den letzten Wochen stößt man immer wieder auf den „No-Shave November“ oder den „Movember“ – zwei Aktionen, mit denen Männer auf Krebs aufmerksam machen wollen. Ich selbst wollte mitmachen, hab es aber leider nicht durchgezogen.

Devrim Şahin Emre
Bock auf Bart. Unser Autor Devrim (17) nahm am No-Shave-November teil.
Bock auf Bart. Unser Autor Devrim (17) nahm am No-Shave-November teil.Foto: privat

Auf beide Ideen bin ich das erste Mal vor einem Jahr durch 9GAG gestoßen. Damals war mein Bart aber noch nicht bereit. Ich sagte mir: „Hey! Im nächsten Jahr nehme ich teil.“ Mit "No-Shave-November" und "Movember" soll Geld für einen guten Zweck gesammelt werden, in diesem Fall für bessere Vorsorge gegen Prostatakrebs. Der Unterschied ist die Art des Bartwachstums. Beim No-Shave-November darf der Bart wild wachsen, beim Movember lediglich der Schnurrbart. Movember setzt sich aus dem französischen Wort "moustache" (=Schnurrbart) und "November" zusammen. Die Teilnehmer sollen dann ihre Familien und Freunde dazu bringen Geld zu spenden, weil man sich ja den Bart wachsen lässt.

Ich hatte eigentlich schon im Oktober aufgehört mich zu rasieren. Wenn man den Bart dann wachsen lässt, sieht man plötzlich überall nur Bärte: auf der Straße, beim Fußball, in der Uni. Die Angst, nicht zu wissen, ob der Bart richtig wächst – die hatte ich nicht. Ich wusste, ich werde nicht wie Shia LaBeouf enden, mit ein paar Fusseln im Gesicht. Aber mit denen fängt es natürlich an. Von Mitte Oktober bis Mitte November wuchs und wuchs der Bart. Aus einem grau-schwarzen, frisch rasierten Bart wurde ein Drei-Tage-Bart, der immer länger wurde.

Am Ende lag ich dann wohl zwischen Bushido und einem skandinavischen Holzfäller, vielleicht war es aber auch etwas weniger. Man überschätzt den eigenen Bart schnell.   

Bart + dunkle Haare = Salafist?

Je mehr Haare es im Gesicht wurden, desto mehr Sprüche musste ich mir anhören. Ob von Freunden, die sagen, ich sehe mehr und mehr aus wie ein Salafist, oder von meinem Vater, der mich später täglich wissen ließ: „Junge, rasier dich, sonst siehst du noch aus wie einer von denen.“ Diese Worte haben mich null interessiert. War mir egal. Ich wollte es durchziehen.

Schlimmer jedoch waren die Blicke. Die Blicke fremder Menschen in der Bahn, auf der Straße. An sich ist man es gewohnt, mal angestarrt zu werden, aber irgendwas war anders. Fast so, als ob der Bart einen zu einer Hassperson macht, dem Staatsfeind Nummer Eins. Menschen, die einen nicht kennen, verurteilen dich - wegen Haaren im Gesicht. Und um ehrlich zu sein, ist das auch der Grund, warum ich dieses Selbstexperiment abgebrochen habe. Ich hatte schon davon gehört, dass man mit einem Bart etwas anders angeschaut wird. Dass es aber so extrem ist, hätte ich nicht gedacht. Vielleicht wäre ich ohne meine schwarzen Haare als Hipster durchgegangen.

Natürlich es ist ein wirklich cooles Gefühl, einen Bart zu tragen, auf Anfang bis Mitte zwanzig geschätzt zu werden - und ja, er hält warm! Aber das wurde mir zu viel. Respekt an meine dunkelhaarigen Nicht-Salafisten, die das durchziehen. Ich denke, die nächsten Jahre werde ich mir keinen Bart mehr stehen lassen. Oder zumindest erst wieder, wenn dieses ganze Salafismus-Thema hoffentlich etwas abgeklungen ist. Na gut spätestens, wenn einem sogar die eigene Mama sagt, man sehe nicht mehr ganz so gut aus mit dem Bart, weiß man: Es reicht. Bart ab, Sprüche weg, Blicke weg, wieder 17 Jahre alt. Und so kalt ist es ja nun auch nicht ohne Bart.

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