Silvester, Böller und Raketen : Laut und Dreckig

Zu Silvester wird viel Geld verballert. Und die Luft ist schlecht. Und der ganze Lärm. Aber es ist doch so schön. Zwei grundverschiedene Meinungen aus unserer Jugendredaktion.

Lena Skrotzki und Max Yumusak
Und es hat Bumm gemacht. Böller sind gefährlich, aber es macht doch so viel Spaß.
Und es hat Bumm gemacht. Böller sind gefährlich, aber es macht doch so viel Spaß.Foto: dpa

„Die besinnlichen Tage zwischen Weihnachten und Neujahr haben schon manchen um die Besinnung gebracht.“ Dieser Kommentar stammt von Joachim Ringelnatz und ich kann ihm nur zustimmen. Zu Silvester bin ich nicht die leichteste Umgangsperson. Ich werde zum Spießbürger und zum Außenseiter, verschanze mich mit meiner Katze zusammen im Keller und komme erst wieder heraus, wenn die letzten Raketen abgeschossen sind. Deutschland hat alleine im letzten Jahr 124 Millionen Euro zu Silvester verballert. Finde ich super, so viel finanzielles Engagement für die vielen Unfälle, die es jedes Jahr gibt. Mir würde nichts einfallen, wofür man das Geld besser ausgeben könnte.
Jetzt komme ich aber erstmal zum ursprünglichen Sinn von Silvester: Durch das Feuerwerk sollen in bestimmten Glauben und soziokulturellen Strömungen Geister vertrieben werden. Der Grund, warum Menschen ein Feuerwerk veranstalten passiert jedoch heutzutage in den meisten Fällen mit der Begründung: „Das haben wir doch schon immer so gemacht.“ Hach ich liebe sie, diese Mutti-Kinder, die „alles so machen, wie es schon immer war“- dann muss es ja toll sein.

Ein weiterer Aspekt ist die Belastung der Umwelt. Die Feinstaub-Konzentration erhöht sich vor allem in Ballungszentren in der Silvesternacht bis auf das 6300-fache.

Lena Skrotzki ist 18 Jahre alt und kann an Silvester auf Böller gut und gerne verzichten.
Lena Skrotzki ist 18 Jahre alt und kann an Silvester auf Böller gut und gerne verzichten.Foto: privat

Hat man nicht noch eine Woche zuvor an der Weihnachtstafel darüber geklagt, wie schade es doch ist, dass die weiße Weihnacht wohl nie mehr eintreten wird, und dass man ja wirklich alles vermeiden möchte, um den Klimawandel zu beschleunigen.
Jeder darf feiern und sich an schönen Lichteffekten am Nachthimmel erfreuen, aber wenn daraus ein Event wird, bei dem man sich wie auf dem Schlachtfeld fühlt, weil einem Böller in der Menschenmasse um die Ohren fliegen, hat das für mich nichts mehr mit feiern zu tun. Rücksichtslosigkeit und Ignoranz steuert viele Menschen, die an Feuerwerkskörpern herumhantieren.

Geld lieber spenden

Mein Vorschlag: Zentrale Feuerwerke, die professionell organisiert und durchgeführt werden, sodass nicht mehr jede Privatperson seine 50 Böller zwischen null und ein Uhr in die Luft jagt, und schließlich merkt, dass der Nachbar von links und der Nachbar von rechts ja genau die gleichen Feuerwerkskörper hatte. Das spart Geld und verhindert, dass Böller in die Hände von Kindern oder verantwortungslosen Menschen gelangen.

Man sollte darüber nachdenken, ob man sein Geld in ein Silvesterfeuerwerk investiert und sich im Januar gute Vorsätze überlegt, die dann im Laufe des neuen Jahres doch wieder verworfen werden, oder ob man den Kauf der Böller sein lässt, das Feuerwerk des Nachbarn drei Straßen weiter genießt, und direkt zu Beginn des neuen Jahres das Geld sinnvoll spendet. An Menschen, die sich nicht den Kopf darüber zerbrechen, ob sie Kanonenschlag-Böller oder doch lieber Reibkopfböller kaufen sollen, sondern darüber, wie sie das neue Jahr ohne Geld und Dach über dem Kopf überleben können.

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