Social Impact Lab Berlin : Maria Gross kümmert sich um soziale Startups

Bei Daimler verdiente sie gut, so wie der Rest ihrer Familie auch. Dann stieg sie aus. Heute arbeitet sie beim Social Impact Lab in Berlin und fördert junge Startups, die sozial handeln wollen. Maria Gross - Die Bessermacherin. Lesen Sie hier mehr in unserem Jugendblog.

Hannes Schrader
Maria Gross verkauft vegane Boxhandschuhe.
Maria Gross verkauft vegane Boxhandschuhe.Foto: Simon Grothe

Bis die Sache mit den vier Cent passierte, war Marias Leben sehr geordnet gelaufen. In Süddeutschland aufgewachsen, der Vater bei Daimler, der Bruder bei Daimler. Also ging auch Maria Gross nach dem Abitur zu Daimler. Studieren wollte sie auf keinen Fall, sondern endlich etwas machen. Arbeiten, Geld verdienen. Sie ließ sich zur Industriekauffrau ausbilden, wurde fest angestellt. Sie arbeitete in der Personalabteilung, machte die Lohnabrechnungen, sie verdiente gut. Berufsbegleitend machte sie ihren Bachelor in BWL. Es hätte so weiter gehen können für Maria, mit Familie, Eigenheim und einer Karriere. Wäre da nicht die Sache mit den vier Cent passiert.

Eines Tages klingelte bei Maria im Büro das Telefon. Dran war ein Herr aus einer der oberen Etagen des Konzerns. Er hatte seine Abrechnung durchgesehen und hatte gemerkt, dass Maria offenbar ein Fehler unterlaufen war. Dass er zu wenig Gehalt bekomme habe. Vier Cent, sagte er, fehlten auf seiner Abrechnung. Das war der Moment, in dem Maria Gross beschloss, dass es so nicht weitergehen konnte. Dass sie in diesem Umfeld nicht weiter arbeiten wollte. Bevor sie kündigte, rief sie ihren Vater an. Er bat sie, nochmal darüber nachzudenken. Ihre Entscheidung sei gefallen, sagte sie. Am anderen Ende hörte sie ihren Vater weinen.

Heute liegt Marias Büro nicht in einem riesigen Konzerngebäude, sondern in einem Kreuzberger Hinterhof. Auf ihrem Bildschirm klebt ein pinker Aufkleber mit der Aufschrift „Superchef“. Der Praktikant trägt keinen Anzug, sondern Jeans und Turnschuhe, im Kühlschrank steht Limonade eines kleinen Hamburger Getränkeherstellers. Die Bohnen für den Kaffee, der aus der Maschine läuft, sind fair gehandelt. Hier sind alle Türen verglast und in der Küche steht ein Kickertisch. Maria hat lange blonde Haare, die auf der rechten Seite abrasiert sind. Sie trägt eine graue Brille, und eine silberne Kette mit zwei küssenden Vögeln als Anhänger. Es fällt schwer, sie sich im Hosenanzug vorzustellen.

Eine gute Idee alleine reicht nicht

Beim Social Impact Lab berät sie Startups, die nicht auf Profit aus sind, sondern die Welt ein kleines bisschen besser machen wollen. So wie der Supermarkt Original Unverpackt, der vor Kurzem in Berlin eröffnet hat und in dem alle Produkte unverpackt verkauft werden, um weniger Abfall anzuhäufen. Denn wer ein Unternehmen gründen will, braucht nicht nur eine gute Idee, sondern auch einen Businessplan und eine Steuernummer. Gründer müssen zu Ämtern gehen und sich Gedanken über ihre Zielgruppe machen. Das Lab vernetzt Gründer und Gründerinnen mit Menschen, die sich genau mit diesen Dingen auskennen. Das Geld dafür kommt vom unter anderem vom Familienministerium und dem Softwareunternehmen SAP.

Superchef. Stimmt das? Der Praktikant nickt.
Superchef. Stimmt das? Der Praktikant nickt.Foto: Simon Grothe

Nach ihrer Kündigung bei Daimler ging Maria für sieben Monate nach Togo, um Entwicklungsarbeit zu machen. Aber sie hatte nicht das Gefühl, wirklich etwas zu verändern. Zurück in Deutschland zog sie deshalb nach Berlin, studierte Non-Profit-Management. Aber sie kam nicht klar mit der ganzen Theorie ohne Praxisbezug. Also suchte sie sich ihren Praxisbezug eben selbst. Ein Freund von ihr hatte gerade in Friedrichshafen ein Startup gegründet, das Schülern aus sozial schwachen Familien einen Studierenden als Helfer zur Seite stellte, um ihnen den Weg zu einer guten Ausbildung zu erleichtern. Zusammen mit einem Berliner Freund gründete Maria den ersten Ableger des Startups außerhalb von Friedrichshafen. Da kam sie zum ersten Mal mit einem Sozialunternehmen in Kontakt. Auf einer Veranstaltung lernte sie Norbert Kunz kennen, den Geschäftsführer der Social Impact Lab GmbH, die die Labs in inzwischen vier deutschen Großstädten unterhält. Nach dem Studium bewarb sie sich dort, um an einer besseren Zukunft mitzuarbeiten.

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