Stadtführung in Berlin : "Geil, ein Porsche"

In den Osterferien können sich Jugendliche zu Stadtführern ausbilden lassen. Dann zeigen sie anderen Schülern, die auf Klassenfahrt in Berlin sind, die Stadt. Wir haben eine Tour getestet.

Simon Grothe, 19
Dennis Müller, 26, zeigte der Schweitzer Schulklasse den Hackeschen Markt.
Dennis Müller, 26, zeigte der Schweitzer Schulklasse den Hackeschen Markt.Foto: sg

Am Hackeschen Markt stehen etwa 20 Jugendliche. Zwei Mädchen, drei Gothics, ein Hipster, der Rest normale Jungs. Einer rülpst. Sie sind auf Klassenfahrt in Berlin. Sie sprechen Schweizerdeutsch. 

Vor ihnen steht Dennis Müller, Seitenscheitel, 26, unter dem Arm einen Aktenordner. Für einen Lehrer sieht er zu jung aus. Er ist auch keiner, er soll ihnen Berlin zeigen. Genau genommen die Gegend am Hackeschen Markt. Er ist einer der ältesten Jugendstadtführer von „Wir sind Berlin“, einem Verein für Jugendbildung und Stadttourismus. 

2008 lernte er in einem Workshop, wie man sicher vor einer Gruppe spricht – zum Beispiel, dass man mit dem Rücken zum Gebäude steht, über das man spricht, damit die Zuschauer sich nicht zwischen Redner und Gebäude drehen müssen. Er lernte etwas über Aufsichtspflicht und absolvierte einen Erste-Hilfe-Kurs. Wenn er davon erzählt, könnte er doch als Lehrer durchgehen. Im Workshop hat er auch viel über die Innenstadt gelernt, denn er kommt aus Hellersdorf. „Da gibt’s aber nicht viel zu zeigen“, sagt er.

Eine der Führungen heißt: „MITTEndrin in Berlin - von alternativ bis schickimicki“ und beginnt an den Hackeschen Höfen. Dennis erzählt von der Sanierung der Höfe in den 90er Jahren, ein Schüler fragt: „Ist das Osten hier?“.

Dennis erzählt, dass es früher in den Häusern Gemeinschaftstoiletten gab. Gerümpfte Nasen, die Mädchen kichern. In einem Hof steht ein schwarzer Porsche, ein Mädchen macht reflexartig ein Selfie.

Stolpersteine - Warum latschen alle da so drüber?

Während sich die Schüler umsehen und Fotos machen, fragt einer: „Was studierst du?“. „Islamwissenschaften“, antwortet Dennis Müller. „Und, wie findest du Islam?“ „Interessant“. Ghettofaust. So ist die Ebene zwischen den Schülern und dem Stadtführer, der vermeintlichen Autoritätsperson. Sie lachen, plaudern und sprechen auf Augenhöhe über Berlin, die Stadt und das Leben.

Die Tour führt vom Hackeschen Markt zum Postfuhramt, sie halten am Monbijoupark und an der Synagoge. Insgesamt etwa zwei Stunden. An der Rosenthaler Straße stoppen sie an einem Stolperstein. Ein Schüler meint: „Irgendwie eine komische Art zu gedenken, alle latschen da so drüber“.

Eine andere Tour führt durch Kreuzberg. Sie heißt „Das ist unser Haus - Kreuzberg bunt und widerspenstig“. Hier sei es schwieriger, meint Dennis. Öfters würden sich Passanten der Gruppe anschließen und Besserwisser spielen. Außerdem erfreuten sich Touristen an bestimmten Ecken auch keiner immensen Beliebtheit.

Wer den Stadtführungskurs absolviert hat, begleitet erstmal erfahrende Leute wie Dennis, bevor er eigene Touren führen kann. Der nächste Kurs findet in den Osterferien vom 30.3. bis 4.4 statt und kostet 250 Euro. Danach bekommen die jungen Stadtführer 40 Euro pro Tour. Dennis ist einer der ältesten, der Kurs richtet sich an 14 bis 18-Jährige. Anmeldung unter info@wirsindberlin.eu

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