Studienstart : Wir sind die Neuen

Bloß nichts verpassen, schnell Freunde finden und nicht gleich negativ auffallen: Maria, Lena und Charlott erzählen von ihrer Ersti-Woche.

Maria Merk, Lena Skrotzki, Charlott Resske

Willkommen an der Uni!
Willkommen an der Uni!Foto: ddp

Schule 2.0 – Maria studiert Sozialwissenschaften

Wie sind die Leute? Hoffentlich komme ich nicht wie der krasseste Nerd, Hipster, Hänger oder sonst was rüber. Gefällt mir das Studium überhaupt? Und was ist, wenn ich mich doch in der Woche geirrt und längst alles verpasst habe? Diese und andere Fragen spuken im nervösen präfrontalen Kortex eines Erstsemesters herum. Freund Google kann sie nicht beantworten. Mutti und Vati erst recht nicht. 

Maria Merk
Maria MerkFoto: privat

Wir 175 frisch immatrikulierten Sozialwissenschaftsstudierenden der Humboldt-Universität zu Berlin überstanden die vom Institut organisierte Orientierungswoche, liebevoll „OWO“ genannt, trotzdem ganz gut. Eingeteilt in kleinere Teams absolvierten wir einen fünftägigen „Kurs zum wissenschaftlichen Arbeiten“. Die erste Pflichtveranstaltung unseres Unilebens, für die es sogar ganze zwei Creditpoints gab. Bologna sei Dank.

Klingt anstrengend? Entschärft wurde das Ganze durch Wettbewerbe wie "welches Team schafft es eine Wasserbombe aus dem vierten Stock zu werfen, ohne dass sie platzt?" oder den altberühmten "Kartoffellauf". Erstaunlich, wie solche Sachen zusammenschweißen können. Da kommt zuweilen echtes Teamfeeling auf. Spätestens nach der ersten Gruppenarbeit mit der Aufgabenstellung „erstellt eine Mindmap zum Thema xy“ wird einem zudem klar: Es ist nicht viel anders als Schule. Nur in groß. Der Lehrer heißt jetzt Professor und deine Mitstudis sind ein paar Jährchen älter. Viel geändert hat sich nicht. Kein Grund zur Beunruhigung also.

Überraschend ist auch, was so eine simple Frage wie „hast du mal Feuer?“ für eine tiefe Verbundenheit erzeugen kann. Mit Leuten ins Gespräch zu kommen, ist wahrlich nicht schwer. Die meist standardisierten 08/15-Unterhaltungen durchzustehen dagegen schon eher. Genauso wie ein potentiell riskantes beklommenes Schweigen, sollte einem doch nichts mehr einfallen, was man sein Gegenüber fragen könnte. Aber da muss man durch. Wer weiß, vielleicht ist genau die Person, mit der du dich am allerersten Tag über die Farbe deines Abipullovers unterhalten hast, auch die, mit der du den Rest deines Unilebens abhängen wirst. Maria Merk

Schweigsame Beginner – Lena studiert Politik, Verwaltung und Organisation

Ich bin jetzt also Ersti. Ein unerfahrener Mensch, der aus der Schule raus ist und bis vor einer Woche noch keinen Hörsaal von innen gesehen hat. Deshalb war es dann doch sehr schön zu hören, dass es eine Einführungswoche für uns Uni-Newcomer geben wird. Bei gemeinsamen Erstsemestertutorien, Exkursionen und Kneipentouren sollten wir das Studium und die Kommilitonen kennenlernen, bevor man ins eiskalte Wasser geworfen wird.

Lena Skrotzki
Lena SkrotzkiFoto: privat

Es begann am Montag damit, dass ich mit den Studenten der wirtschafts- und sozialwissenschaftlichen Fakultät den Landtag in Potsdam besucht habe. Der Treffpunkt war um 16.45 Uhr am Eingangsportal. Da ich aber keinesfalls zu spät kommen wollte, war ich schon deutlich vorher da. Genau wie die meisten anderen, die schweigend in einer Art Menschentraube vor sich her starrten.

Die Stimmung war zutiefst von diesem unangenehmen, wartenden Schweigen geprägt, das sich niemand zu durchbrechen traute. Bis Marie kam. Sie stellte sich einfach zu mir und fragte mich doch tatsächlich, was ich studiere. Das Schweigen war nun gebrochen, und plötzlich begannen die Ersties miteinander zu reden. So viel kann man beim Reden nämlich gar nicht falsch machen, dachte ich, als die Hemmungen fielen und ich behutsam weiter Kontakt aufnahm. Bis zu dem Zeitpunkt, an dem wir gerade in den Plenarsaal des Brandenburger Landtags schritten, um uns die Verteilung der Sitze anzusehen. Marie und ich steuerten gerade auf die SPD-Fraktion zu, während uns ein unbekannter Kommilitone ansprach. "Hey, wie heißt ihr?". "Marie". "Lena". Wir schauten überrascht zu dem Kommunikationsrowdy, der uns daraufhin ungeniert erklärte: "Ich habe mir vorgenommen, zwei Leute zu suchen, mit denen ich mich anfreunden kann. Für mehr Freunde habe ich keine Zeit neben dem Uni-Stress." Da wünschte ich mir den Moment zurück, in denen sich noch niemand traute, etwas zu sagen, und das Schweigen einen peinlich berührte. Lena Skrotzki

Gruppenbildung – Charlott studiert Jura

Es klingt wie ein Gedicht, das ich auswendig gelernt habe: "Ich bin Charlott, zwanzig Jahre alt, Abi vor zwei Jahren, aus Mecklenburg-Vorpommern." Immer die gleichen Fragen, immer die gleichen Antworten. Perfekt ausformuliert und hunderte Male abgespult fürs Kennenlernen meiner neuen Kommilitonen. Und das sind insgesamt 480 - genug Zeit zum Üben.

Seit diesem Semester studiere ich Jura an der Humboldt-Universität zu Berlin. Wir sitzen im Audimax, aufgeregtes Tuscheln. Ich quatsche meine Nachbarn an - vorne, hinten, rechts, links. Die Ersti-Woche kommt mir wie ein Marathon vor. So viele Menschen wie möglich kennenlernen. Kontakte knüpfen. Aus Angst, diese wieder zu verlieren sobald die Veranstaltung zu Ende ist, werden WhatsApp-Gruppen gebildet. Ich lerne drei nette Mädchen kennen und eröffne sofort mit ihnen die Gruppe „Juristisches Quartett“.

Von Freunden aus höheren Semestern, wird mir immer gesagt, dass man mit den Leuten aus der Ersti-Woche das ganze Studium lang rumhängt. Ein gewaltiger Druck die richtigen Menschen zu finden.

Charlott Resske
Charlott ResskeFoto: privat

Kuchenbasar. Ich wechsle die Tische im Zehn-Minuten-Takt, setze mich immer wieder zu neuen Leuten. Die „Tischlein, deck dich“ - Strategie klappt gut. Ich lerne Menschen kennen, mit denen ich mich gut verstehe. Und natürlich, wir gründen die nächste WhatsApp Gruppe: „Jura-Girls“.

Bei der Einführungswoche geht es nicht immer um Spaß, es geht ums Überleben. Gute Freunde sind in einer neuen Stadt, in einem neuen Lebensabschnitt wichtig. Freunde, mit denen ich neun Semester Jura durchstehe. Nach der Stadtteilführung gründen wir die „Juristen in Fhain“-Gruppe. Etwas später ploppt auf meinem Handy die letzte Errungenschaft auf: Die „Morgenduft“ Gruppe - benannt nach einem Café, in dem wir uns das erste Mal verabredet haben.

Ich weiß nicht, wie viele Gesichter und Namen sich unser Gehirn merken kann. In der Ersti-Woche wird das jedenfalls trainiert. Das kann auf Dauer nervig werden, zeigt dir aber eins: Du bist nicht alleine. Alle suchen Freunde. Du wirst Menschen finden, die zu dir passen. Bei mir hat es auch geklappt. Nach der ersten Woche muss ich den Tatort am Sonntag nicht mehr alleine schauen. Neue Freunde, neues Studienglück. Charlott Resske

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