Valentinstag : Liebespost von PayPal

Jedes Jahr legt sich die Werbeindustrie ins Zeug, um uns an den Valentinstag zu erinnern. Wahrscheinlich würden wir ohne sie den Tag einfach verschlafen. Wäre das denn so schlimm?

Lena Luisa Leisten
Unsere Jugendblog-Autorin Lena Luisa Leisten denkt über den Valentinstag nach.
Unsere Jugendblog-Autorin Lena Luisa Leisten denkt über den Valentinstag nach.Foto: privat

„Werbung ist die Kunst, auf den Kopf zu zielen und die Brieftasche zu treffen", sagte der amerikanische Autor Vance Packard. Rückt der 14. Februar näher, könnte man annehmen, dass Werbemacher ihre Zielscheibe etwas weiter unterhalb des Kopfes zu platzieren wissen und das Wort „Kopf“ mit „Herz“ austauschen. Ab Februar setzt die Werbeindustrie auf Rot und Rosa, Herzen und knutschende Pärchen. Eine süße Erinnerung, dass es jetzt mal angebracht wäre, seinem Partner einen Liebesbeweis in Geschenkform vorbeizubringen.

Darauf macht mich auch PayPal aufmerksam. Das Online-Bezahlsystem schrieb mir eine E-Mail, damit ich am Valentinstag nicht mit leeren Händen dastehe. Sie erklärten darin außerdem: „Kleine Freuden halten die Liebe frisch“. PayPal kümmert sich also nicht nur um Online-Bezahlungen, sondern vermittelt auch praktische Lebensweisheiten. Ausgesprochen unterhaltsam.

Meine Freundin Julie sieht das anders. Als ich ihr und Karla bei einem Kaffee von meiner PayPal-Post erzähle, dreht sie sich genervt weg. „Der Tag wurde erfunden, um Singles zu diskriminieren! Jeder blöde Werbespot erinnert mich daran, dass alle Welt sich verträumt in den Armen liegt, während das einzig romantische mein Date mit meiner Hausarbeit in der Bib ist.“ Auch für solche Probleme hat PayPal einen Vorschlag. In meiner E-Mail schreiben sie: „Fehlt der richtige Partner, wartet er vielleicht bei Parship. Ausprobieren mit 20 Prozent Rabatt.“ Ich verkneife mir jedoch, sie darauf hinzuweisen. Karla entgegnet ihr schmunzelnd: „Och Julie, der Tag ist im Grunde bloß eine Erfindung der Floristen. Genau wie der Weihnachtsmann eine Schöpfung von Coca Cola ist. Oder glaubst du, der wurde erfunden, um die unartigen Kinder zu diskriminieren?“

Wer hat´s erfunden?

Ein Blick aufs Smartphone gibt Auskunft: Angeblich lässt sich der Valentinstag auf einen Bischof namens Valentin zurückführen, der im dritten Jahrhundert nach Christus verliebte, junge Menschen getraut und mit Blumen beschenkt haben soll. Also doch keine Erfindung der Floristen.

Ganz selbstlos scheint es dennoch nicht, dass uns die Werbeindustrie jedes Jahr an den 14. Februar erinnert. Für die meisten Floristen ist der Valentinstag mit Abstand der umsatzstärkste Tag des Jahres, ein ertragreiches Geschäft mit Liebe. Dennoch bleibt eine Frage, über die in den meisten Werbeagenturen vermutlich lieber geschwiegen wird: Brauchen wir das denn wirklich?

Brauchen wir einen Tag, der Menschen in Beziehungen vorschreibt, einander ihre Gefühle zu zeigen? Brauchen wir einen Tag, der gleichsam die Menschen ohne Beziehung mit dem Umstand konfrontiert, dass sie keinen Partner haben? Wahrscheinlich nicht. Wobei - es gibt doch weit weniger sinnvolle Investitionen, als in einen Liebesbeweis. Und dafür gibt der ein oder andere PayPal bestimmt auch die Chance, seine Brieftasche zu treffen.

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