Viele Grüße aus Togo : „Weißer, Weißer, guten Abend!“

Pao Engelbrecht ist 19 Jahre alt und berichtet für unsere Serie "Weit weit weg" von seinem Freiwilligendienst in Togo. Wenn er dort von seiner deutschen Herkunft erzählt, wird das sehr häufig mit einem Lächeln erwidert und die Hand zum Handschlag ausgestreckt. Deutschland assoziieren die Togolesen vor allem mit Demokratie, Qualität und der Fußball-Weltmeisterschaft.

Pao Engelbrecht
Pao Engelbrecht (19) berichtet von seinem Freiwilligendienst in Togo.
Pao Engelbrecht (19) berichtet von seinem Freiwilligendienst in Togo.Foto: privat

Bevor ich nach Togo gefahren bin, wusste ich recht wenig über das westafrikanische Land. Außer bei der Bestellung eines Kaffees to go kommen die beiden Silben des westafrikanischen Landes wohl kaum in der alltäglichen Sprache der Deutschen vor. Auf der Karte ist Togo für viele gerade mal der schmale Streifen neben Ghana und eines der wenigen (noch) nicht Ebola-infizierten Länder in der Region.

Tatsächlich ging es mir vor meiner Entscheidung, für ein Jahr in der Hauptstadt Lomé zu leben, nicht viel anders. Diese Unwissenheit war auch ein Grund für mein Weggehen - eine gute Gelegenheit, endlich aufzuräumen, mit Vorurteilen über sogenannte Entwicklungsländer. Hier arbeite ich gemeinsam mit einer anderen Freiwilligen bei dem Deutschlehrerverein „Hoffnung für die Jugend“. Wir besuchen den Unterricht an verschiedenen Gymnasien, musizieren und unterhalten uns mit den Jugendlichen.

Togos Geschichte ist zwar, vor seiner Unabhängigkeit von Frankreich im Jahr 1960, durch die Kolonisation der Deutschen geprägt. Und dennoch - oder erstaunlicherweise gerade deshalb - ist das Bild von Deutschland vor allem ein positives. Oft wird sogar erzählt, dass zur deutschen Kolonialzeit Vieles besser war... An diesem Punkt beginnt das Gespräch für mich langsam peinlich zu werden und ich frage mich manchmal, ob es das Stockholm-Syndrom nicht nur bei Entführern, sondern auch bei räuberischen Kolonialherren gibt. Auffällig ist auch, dass viele Togolesen die deutsche Sprache lernen.

Viele Grüße aus Togo!
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29.09.2014 12:04Pao Engelbrecht (19) berichtet von seinem Freiwilligendienst in Togo.

Hier ist Fahrradfahren viel zu anstrengend

In Togo leben 6.5 Millionen Menschen und es werden rund 40 verschiedene Sprachen, darunter die Amtssprache Französisch, sowie die Nationalsprachen Ewe und Kabiye, gesprochen. Lomé wirkt auf mich sehr lebhaft und bunt, in manchen Stadtteilen aber auch anstrengend. Als Europäer fällt man auf den Straßen überall auf und wird fast pausenlos begrüßt. Kinder singen bei diesem seltenen Anblick gerne „Yovo, yovo, bon soir!“ (was soviel heißt wie „Weißer, Weißer, guten Abend!“) und erwarten normalerweise eine Antwort. Diese Aufmerksamkeit ist etwas Schönes, weil sie mir nicht aufdringlich, sondern ehrlich interessiert vorkommt. Doch es gibt - gerade im Alltag - genug Momente, in denen ich gerne mal weniger auffallen würde.

Das Fortbewegungsmittel Nummer eins ist das Motorrad. Oftmals wird eine zweispurige Straße von einer Gruppe nebeneinander fahrender Motorräder vereinnahmt, wohingegen Autos in der Minderheit und Fahrräder sowieso eine Seltenheit sind, auf die im Straßenverkehr keine Rücksicht genommen wird. Mittlerweile verstehe ich auch, aus welchem anderen Grund sich die Leute hier lieber auf ein motorisiertes Zweirad setzen: Mit dem Rad kann man im tropisch-feuchten Lomé sein Ziel selbst im reduzierten Tempo nicht ohne enormes Schweißtreiben erreichen.

Das Essen in Togo ist für den europäischen Gaumen zuerst einmal eines: scharf. Speisen wie Akoumé oder Fufu werden fast immer mit einer pikanten Soße und Fisch oder Fleisch serviert. Es handelt sich dabei um einen sehr nahrhaften und sättigenden Teig aus Maismehl beziehungsweise Yamswurzel, einer Magniok ähnlichen Pflanze. Gegessen wird meistens mit den Händen, was bei den ersten Versuchen, den Teig in einer wässrigen Soße einzudippen, etwas ungewohnt ist, mir aber immer sympathischer wird, weil ich merke, dass es eine unkomplizierte und direkte Art zu essen ist.

Nach den ersten Wochen erfüllt mich vor allem eine große Vorfreude auf die Zeit, die hier noch vor mir liegt. Ich freue mich darauf, gut zu tun zu haben und dabei das Land und viele nette Menschen besser kennen zu lernen.

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