Was wir trinken : Berliner Mätchen - Beleben ja, Zucker nein

Cola muss nicht braun sein, Brausen müssen keine chemischen Verstärker enthalten und Limonaden nicht nur nach Zitrone schmecken. Wir haben uns mit Berliner Brauern getroffen. Teil 3 - Berliner Mätchen.

Jolinde Hüchtker
Melanie (26) und Nico (27) mit ihren Berliner Mätchen.
Melanie (26) und Nico (27) mit ihren Berliner Mätchen.Foto: privat

Mate ist längst nicht mehr bloß Durstlöscher, es ist das Hip-Getränk, das Pussybier, in manchen Kreisen sogar die neue Cola. Mate macht nicht mehr bloß wach, sondern auch szenebewusst. Es scheint, als wäre sie direkt aus dem südamerikanischen Urwald nach Friedrichshain marschiert. Wenn du cool bist, trinkst du Mate. Und wenn du deine coolen Matefreunde so richtig rasend vor Eifersucht machen willst, dann steigst du vom Mainstream der Club Mate auf Berliner Mätchen um. Vegan, regional, natürlich – der Dreiklang der neuen Genießergeneration.

Schmecken tut es übrigens auch, dieses Berliner Mätchen. Nach Apfel und Matetee und noch mehr Apfel, weil 65 Prozent Direktsaft drin ist. Lecker, finden auch Erfinder und Konsumenten Melanie (26) und Nico (27), die sich noch aus Schulzeiten kennen und vor zwei Jahren mit ihrer Idee starteten. Beleben ja, Zucker nein, war ihr Konzept für das Getränk – und bloß kein Energydrink. Tatsächlich findet man in den hübschen Glasflaschen kein Körnchen zusätzlichen Kristallzucker. Angefangen in der Heimküche, ist das Berliner Mätchen inzwischen in zwölf Läden vertreten. „Bis jetzt haben alle nachbestellt“, sagt Nico, obwohl für Werbung das Geld fehlt.

Der Name fiel Melanie beim Zähneputzen ein, denn ein Berlinbezug musste sein für Berliner Nico und Wahlberlinerin Melanie, obwohl sie sich nicht sicher ist, ob man das mit der Wahlberlinerin erwähnen sollte, es komme ja oft nicht so gut an bei den Hauptstädtlern. Aber wer Mate macht, macht die „Wahl“ vorm Berlin längst wieder wett. „Berliner Mätchen“ also, und es sollte ein Gesicht haben. Aber da Berlin sich nicht auf ein Gesicht festlegen lassen wollte, prangt auf dem Etikett jetzt dank Grafikerin Melanie ein halber Mädchenkopf mit ausgesprochen geheimnisvollem Blick.

Wenn Berlin erobert ist, geht´s ab nach Süddeutschland

Was man braucht, um sein eigenes Getränk zu starten? „Einen Abfüller, Flaschen, Deckel, Etiketten, Zutaten.“ Und natürlich Geld. Das haben Melanie und Nico mit freundschaftlicher Unterstützung zusammenbekommen und liefern nun mit dem eigenen Pkw aus – verkauft werden etwa 800 Flaschen pro Monat. Irgendwann soll´s mal raus gehen aus Berlin, Interesse gibt es auch in Süddeutschland. „Wir haben schon Leute abhängig gemacht“, meint Nico, „Aber wir wären selbst unsere besten Kunden.“ Am liebsten würde er mal eine Flasche mit Peter Fox trinken. „Ob er‘s wohl mögen würde?“ Wahrscheinlich, denn Mate ist morgens verträglicher als Kaffee und abends das schickere Bier.

Besonders gut lässt sich ein Berliner Mätchen laut der Macher an der Spree genießen, vorzugsweise in der Abendsonne oder auch – wer hätte das gedacht – im Volkspark Friedrichshain. Finden könnt ihr das ohne künstliche Farbstoffe und nur aus natürlichen Zutaten hergestellte Getränk in einigen Berliner Spätis, dem Getränkefeinkostladen in der Boxhagener Straße (genau, in Friedrichshain) und in dem ein oder anderen Szenecafé. Kosten tut‘s 2,30 € und aufwärts. 

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