Zeichen gegen Bärgida : 18-Jähriger organisierte ein Festival für Flüchtlinge

Nils Bunjaku ist 18 Jahre alt und hat das Fest der Vielfalt mit mehr als 2000 Teilnehmern am Brandenburger Tor organisiert. Ein Treffen ohne Club Mate.

Jascha Edert
Buntes Berlin. Nils Bunjaku ist der mit der bunten Jacke rechts im Bild. Er organisierte das Fest der Vielfalt, das am 1. Februar am Brandenburger Tor gefeiert wurde.
Buntes Berlin. Nils Bunjaku ist der mit der bunten Jacke rechts im Bild. Er organisierte das Fest der Vielfalt, das am 1. Februar...Foto: Peter Jelinek/Intitiative Vielfalt Berlin

Auf Facebook unterscheidet sich Nils Bunjaku nicht wirklich von anderen Jugendlichen. Alternative Hipster-Frisur, die braunen Haare liegen im Gesicht. Seine bunte Jacke sieht aus wie ein indianischer Knüpfteppich mit Reißverschluss. Voll retro. Wenn man seine Timeline runterscrollt, zeigt er Solidarität mit den Flüchtlingen von der Ohlauer Straße, seine Teilnahme an Anti-Bärgida-Demos und dann ein Bild auf einer Bühne am Brandenburger Tor. Er spricht in ein Mikrofon, hinter ihm Künstler, Unterstützer und Freunde. Nils Bunjaku hat das Fest der Vielfalt am Brandenburger Tor organisiert, mit über 2000 Teilnehmern. Der Typ ist erst 18, Alter!

Pünktlich auf die Minute erscheint er zu unserem Treffen. Betreibt da jemand Klischeebekämpfung? Er trägt einen „Kein Mensch ist illegal“-Pullover, ist ungefähr 1,80 groß und lächelt. Starbucks ist ihm zu voll, also ab zum Bagelladen. Komischerweise bestellt er sich einen Cappuccino und keinen Club Mate.

Nils’ Vater kommt aus dem Kosovo, das Thema Flüchtlingspolitik ist ihm sozusagen in die Wiege gelegt. Im vergangenen Jahr machte er sein Abitur in Wilmersdorf, dann verschiedene Praktika. Und er wohnt noch bei seiner Familie in Tempelhof. Tempelhof? „Da wohne ich und sonst nichts“, stellt er klar. Leben würde er eher in Kreuzberg und Friedrichshain. „Ich bin in Berlin aufgewachsen und ein Fan dieser Stadt“, sagt Nils Bunjaku. Als Pegida immer mehr Zulauf fand, fasste er einen Entschluss: Eine eigene Veranstaltung zu organisieren, aber nicht gegen Pegida, sondern für die Vielfalt, sagt er. Er will weg vom ewigen Dagegensein: „Immer Wutbürger zu sein, ist auf die Dauer anstrengend.“

Nils Bunjaku wünscht sich ein festes Haus für Flüchtlinge, in dem sie juristische und psychologische Betreuung bekommen.
Nils Bunjaku wünscht sich ein festes Haus für Flüchtlinge, in dem sie juristische und psychologische Betreuung bekommen.Foto: Peter Jelinek/Intitiative Vielfalt Berlin

Auf einer Anti-Bärgida-Demo lernte er Christoph Schott kennen, Kampagnenleiter bei Avaaz, einer internationalen Organisation, die sich gegen Korruption, Klimawandel und für Menschenrechte einsetzt. Schott war so begeistert von Nils’ Idee, dass er ihn bei der Planung für das Fest der Vielfalt unterstützte. Von da an gab es für Nils kein anderes Thema mehr, sein Praktikum in einer Produktionsfirma stellte er hinten an. Viele prominente Künstler sagten zu, aber im letzten Moment wieder ab. Das war ihm ganz recht, denn so lag das Hauptaugenmerk auf der Veranstaltung und nicht so stark auf den Künstlern. Schließlich tauchten dann doch ein paar bekannte Gesichter auf wie Lars Ruppel, der deutsche Meister im Poetry Slam, oder die Musiker Yarah Bravo und Chefket.

Wichtig ist, etwas zu bewirken – und wenn auch nur im Kleinen

Viele Familien kamen, Christian Hanke (SPD), Bürgermeister von Mitte, lobte in seiner Rede besonders die engagierte Jugendkultur. Mal was anderes als immer nur von politikverdrossenen Jugendlichen zu sprechen. All das sorgte für gute Stimmung bei so einem nervenaufreibenden Thema wie der Flüchtlingspolitik. Strahlende Gesichter überall, na ja fast. Nur ein Ordner musste sich den Spruch anhören: „Irgendwann werdet ihr aufwachen, und dann …“

Da Nils so gerne über Vielfalt redet, muss er diesen Begriff etwas genauer erklären: „Die Vielfalt hält unsere Stadt lebendig. Zu einem bunten Miteinander gehört es auch, denjenigen zu helfen, die herkommen, um friedlich mit uns zusammenzuleben.“ Integration ist ihm sehr wichtig, das wird schnell klar. Parallelgesellschaften sind nicht so sein Ding. „Integrierte Menschen geben immer etwas zurück. Sie werden die neuen Deutschen sein“, sagt er. Das Pathos dieses Satzes spiegelt sich noch eine Weile in seinem Gesicht, er sieht ganz verträumt aus.

Neue Deutsche, das klingt wirklich besser als integrierte Ausländer. Nils fühlt sich selbst als Deutscher, auch wenn er nicht weiß, was das eigentlich genau sein soll. Dieser Satz würde bei der AfD wohl eine Massenpanik auslösen. „Wir Jugendlichen sind gefragt“, sagt er. „Eines Tages entscheiden wir über Flüchtlingspolitik, da ist es wichtig, sich schon jetzt zu positionieren. Sonst tun es andere für uns.“ Die beste Zeit, sich politisch zu engagieren, ist zwischen Abitur und Studienplatz, findet er.

In München soll ein Haus entstehen, Bellevue de Monaco, in dem Flüchtlingen mit psychologischer und juristischer Betreuung geholfen wird. So etwas wünscht er sich auch für Berlin, eigentlich für jede große Stadt in Deutschland. „Bisher ist es nur eine Idee, aber ich bin mir sicher, mit der Hilfe von Avaaz und anderen engagierten Menschen ist es machbar.“

Nils Bunjaku ist überzeugt, dass das Umfeld prägend für die spätere Politikaffinität ist. Er will sich nicht ausruhen, es gibt viel zu tun. Anderen Jugendlichen rät er, sich ebenfalls zu engagieren: „Berlin bietet dafür beste Möglichkeiten.“ Wichtig ist, etwas zu bewirken – und wenn auch nur im Kleinen.

Nils Bunjaku sucht noch Unterstützer für seine Veranstaltungen. Ihr erreicht ihn unter vielfaltberlin@gmail.com

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